Unser Special: Mitten im Sound mit 3D-Monitoring

In-Ear-Monitoring ist inzwischen der Standard bei mittelgroßen bis großen Konzertproduktionen. Mit der digitalen Mischpulttechnik gibt es so gut wie keine Einschränkungen, was die Monitor-Kanalzahl und den Sound betrifft. Allerdings ist der normale In-Ear-Mix recht statisch. Mit dem 3D-Monitoring eröffnen sich nun ganz neue Möglichkeiten und ein ganz neuer Sound.

Die Künstler auf der Bühne brauchen ständig die totale Kontrolle über ihren Sound, um eine perfekte Show abliefern zu können. Nicht nur sich selbst muss der Musiker optimal hören, auch den Mix der Band – sonst kann es nicht grooven. In-Ear-Monitoring ist die optimale Lösung. Zudem wird auch die Lautstärke auf der Bühne reduziert, wenn keine Monitorlautsprecher gegen die Musiker brüllen. Ein weiterer Vorteil ist natürlich die Bewegungsfreiheit der Musiker, die nicht mehr im Spot der Lautsprecher stehen müssen. Unbestreitbar sind die Vorteile des In-Ear-Monitorings jedem Zweifel erhaben.

Die Mehrausgaben für professionelle In-Ear-Hörer und die passenden Funksysteme sind die Verbesserung der Sound- und Show-Qualität in jedem Fall wert.
Trotzdem gibt es auch kritische Stimmen. Manche Musiker bemängeln den fehlenden Kontakt zum Publikum, da sie mit den stark isolierenden In-Ear-Hörern nicht richtig mitbekommen. Abhilfe schaffen in diesem Fall Atmo-Mikrofone, die ins Publikum gerichtet sind und nur auf die In-Ears gemixt werden.

Andere Bemängeln den statischen Mix, die fehlende Dynamik, die sonst direkt von der Backline kommt und vom In-Ear kompett geschluckt werden kann.
Ich habe selbst viele Jahre auf der Bühne verbracht und gehörte zur Gruppe der In-Ear-Zweifler. Ich muss den Sound und das Zusammenspiel auf der Bühne nicht nur hören, sondern auch fühlen. Bisher konnte das kein Techniker für mich realisieren, was nicht am Können der wirklich guten Mischer lag sondern an der zu Grunde liegenden Technik des In-Ear-Monitorings und meinen sehr eigenen Anforderungen an den Sound.
Meine Einstellung zum Knopf im Ohr musste ich unlängst überdenken, als ich zum ersten Mal das 3D-Monitoring von KLANG:technologies erleben durfte. Während einer Produktpräsentation bekam ich einen gewohnten Stereo-In-Ear-Mix auf die Ohren. Natürlich bestätigte das alle meine Vorurteile erneut.

Das änderte sich jedoch schlagartig, als der Produktspezialist von KLANG:technologies den Mix mit einem Knopfdruck auf 3D schaltete. Plötzlich befand ich mich mitten im Sound, ortete die Instrumente genau da, wo sie sich auf der Bühne befanden und erlebte genau die Transparenz und Dynamik, die ich beim In-Ear-Monitoring stets vermisst hatte. Was für mich als In-Ear-Skeptiker das gesamte Konzept überhaupt erst sinnvoll erscheinen lässt, ist für geübte In-Ear-Veteranen bestimmt ein riesiger Schritt nach Vorne, dachte ich mir. Also begann ich mich mit der Technik dahinter zu befassen und mit Nutzern dieses einzigartigen Systems auszutauschen.

Die Technik

Das Grundprinzip klingt relativ einfach. Es geht darum, die einzelnen Instrumente im Mix nicht nur wie bei Stereo-Mixes nach links und rechts zu verschieben, sie können auch nach oben und unten, vorne und hinten gelegt werden. Ganz ohne komplexe Arbeiten mit verschiedenen Hall-Algorithmen und Phasenverschiebungen.
Unterstützt wird die Arbeit mit der einfachen und übersichtlichen Oberfläche der KLANG:app, der Steuerzentrale des 3D-Monitorings. Im Mittelpunkt steht der Kopf des Hörers, um den ganz einfach die Instrumentenkanäle angeordnet werden können. Beim Setup kann man die Spuren zu Gruppen zusammenlegen und mit den passenden Icons versehen. Die App läuft auf iOS, Android, Mac und Windows.

Ein kompakter Mixer macht es auch den Künstlern möglich, mal schnell die Pegel des Mixes zu steuern. Die KLANG-Hardware kann gleichzeitig mit mehreren Geräten, auf denen die KLANG:app läuft, gesteuert werden. Über Zugriffsbeschränkungen behält der Monitor-Techniker immer „das letzte Wort“ beim Mix. Die Smartphones, Tablets oder Computer mit der KLANG:app können via LAN oder W-Lan mit der Hardware verbunden werden.
Ein ganz besonderes Feature kann mit dem Gyroskop-Sensor eines Smartphones oder Tablets erreicht werden. Dreht sich der Musiker mit seinem Smart-Gerät in der Tasche um die eigene Achse, wird auch die Ortung der Schallquellen um ihn herum angepasst. Dreht sich der Sänger also beispielsweise zum Drummer, der hinter ihm sitzt und auch im Mix hinter ihm platziert ist, geht der Mix mit und sobald er den Drummer vor ihm sieht, hört er ihn genau dort.

Bei KLANG:technologies ist bereits ein spezieller Gyroskop-Sensor in Entwicklung, der einfach an das In-Ear-System des Musikers angeschlossen werden kann und die Bewegungsdaten per Funk an die KLANG:hardware überträgt. Die KLANG:app ist kostenlos auf der Webseite von KLANG:technologies erhältlich und beinhaltet auch einen Demo-Modus mit einem Mehrspur-Mix, der die Möglichkeiten des 3D-Monitorings sehr gut veranschaulicht.

Die Hardware

Das eigentliche Herz des Systems ist allerdings die Hardware. In ihr findet die Berechnung des 3D-Sounds unter Verwendung der Binaural-Technologie statt und hier laufen auch alle Leitungen zusammen. Natürlich muss die Hardware mit den Einzelspuren des Monitor-Mixes gefüttert werden – oder mit speziell dafür erstellten Gruppen aus der Monitor- oder FoH-Konsole. Die fertigen Mixes werden von hier an die Funksender der drahtlosen, oder an die Kopfhörerverstärker der drahtgebundenen In-Ears gesendet.

Es gibt zwei Systeme in verschiedenen Größen zur Auswahl: Das Flaggschiff KLANG:fabrik kann bis zu 16 Monitorwege verwalten, die kleinere KLANG:vier bis zu fünf Monitorwege. Die Quellen für den Mix können per MADI, Dante / AES 67 oder ADAT direkt aus dem (vorzugsweise digitalen) Monitor- oder FoH-Mixer an die KLANG-Hardware übertragen werden. Bis zu 56 Eingangskanäle verwaltet die KLANG:fabrik pro Mix. KLANG:vier kann mit 24 Eingangskanälen gefüttert werden. Die interne Verarbeitung liegt momentan bei maximal 24 Bit / 48 kHz.
Interessant ist auch die Möglichkeit, mehrere KLANG-Geräte zu einem größeren System zu kaskadieren. So wächst das System auch mit den Ansprüchen einer Produktion.

3D-Sound am Monitorplatz

Natürlich ist ein System wie das von KLANG:technologies bereits auf den großen Bühnen angekommen. Nicht nur viele Künstler selbst, auch Monitor-Techniker sind begeistert von den Möglichkeiten des 3D-Monitorings.

Einer der KLANG-User ist der Monitor-Engineer Pasi Hara, der mit Weltstars wie System of a Down, Slash & Miles Kennedy, Fergie und Fall Out Boy tourt. Hara war einer der ersten Engineers in seiner Liga, der die KLANG:fabrik in sein In-Ear-Setup integrierte. Seine Begeisterung für das System veranlasste ihn, auch als Botschafter für das 3D-Monitoring von KLANG:technologies aufzutreten.
Wir haben Pasi Hara ein paar Fragen zu seiner Arbeit mit dem 3D-Monitoring gestellt.

pma: Wie haben Sie zum ersten Mal von der KLANG:fabrik und den Möglichkeiten des 3D-Monitoring erfahren und was waren Ihre ersten Gedanken dazu?
Pasi Hara:
Ausgerechnet auf Facebook bin ich auf KLANG:technologies gestoßen. Es ist einfach vor mir aufgepoppt, also habe ich es mir angesehen. Es hatte sofort meine volle Aufmerksamkeit und so schrieb ich gleich eine E-Mail an KLANG um eine Demo zu arrangieren.

pma: Wie integrieren Sie die KLANG:fabrik in ihr Monitoring-Setup?
Pasi Hara:
Ich benutze Dante oder MADI um die KLANG:fabrik mit der Monitor-Konsole zu verbinden und wähle die Kanäle aus, die ich dann über die Direct-Outs an die KLANG:fabrik schicke. Nachdem die Mixes in der KLANG:fabrik bearbeitet wurden, sende ich sie digital zurück ins Pult um sie zu den Aux- oder Subgruppen dazu zu mischen. So kann ich auswählen, welche Kanäle durch die KLANG:fabrik und welche direkt raus gehen. Das macht das Setup auch sehr flexibel, wenn man es mal ändern möchte.

pma: Erlauben Sie den Musikern über die KLANG:app in den Mix einzugreifen?
Pasi Hara:
Das hängt wirklich von den Künstlern ab. Normalerweise mache ich die iPad-App während der Proben und Soundchecks für die Musiker zugänglich. Während der Show ist es aber besser, wenn sich die Künstler vollkommen auf die Performance fokussieren können.

pma: Wie hat diese Technologie Ihren Workflow beeinflusst?
Pasi Hara:
Ein weiteres Gerät zu einer langen Liste an Technik hinzuzufügen, die in der Live-Situation nicht ausfallen dürfen, ist immer ein Risiko. Aber die KLANG-Hardware hat sich als sehr zuverlässig erwiesen und mich nie im Stich gelassen. Das Ergebnis ist schon eine große Steigerung im Bezug auf den Raum im Mix und die Mehrinformation in den unteren Ebenen. Den Mehraufwand ist das wirklich wert.

pma: Wie haben die Künstler reagiert, als sie zum ersten Mal einen 3D-Monitor-Mix gehört haben?
Pasi Hara:
In der Regel erfassen sie das Konzept erstmal nicht wirklich. Aber wenn man mit der KLANG:app zu ihnen kommt und die Quellen um sie herum dreht, dann stehen sie mit offenen Mündern da.

Durch die Möglichkeiten des Personal Monitorings ist das Setup auch von Musikern direkt einsetzbar. So handhabt es die schwedische Power-Metal-Band Hammerfall. Pontus Norgren, der Gitarrist der Band, kümmert sich auch um das Monitor-Setup.

pma: Wie sieht Ihr Monitor-Setup auf der Bühne aus?
Pontus Norgren:
Mit Hammerfall haben wir über die Jahre eine ganze Menge verschiedener Monitoring-Lösungen ausprobiert. Wir versuchten das beste Setup für die großen Shows und die Fly-in-Shows zu finden. Unser aktuelles Setup ist ein Mackie DL32R das über Dante in die KLANG:fabrik läuft. Das ist das bisher beste Setup, da wir flexibel und Zeiteffizient sein müssen, wenn wir eine Show spielen. Dazu kommt, dass es sehr einfach aufzubauen und einzurichten ist.

pma: Hat das 3D-Monitoring Ihre Arbeitsweise verbessert?
Pontus Norgren:
Der Workflow hat sich wirklich verbessert, da ich die Instrumente an der richtigen Stelle auf der Bühne platzieren kann. Das macht das Klanbild sehr natürlich, als ob man ohne In-Ear auf der Bühne wäre. Und für den Rest der Jungs in der Band ist es wirklich einfach, einen eigenen Monitor-Mix mit der KLANG.app auf dem iPad zu machen.

pma: Wie sind Ihre Erfahrungen mit der KLANG-Technologie und würden sie das System auch anderen Musikern empfehlen?
Pontus Norgren:
Ich persönlich muss sagen, das ist die beste Erfindung im Bereich Monitor-Sound. Ich habe sehr lange als Sound Engineer gearbeitet und lange nach dem perfekten Monitoring gesucht. Und die KLANG:fabrik war die Lösung. An alle meine Künstlerkollegen da draußen: Probiert es aus, ihr werdet es lieben!

Dieser Beitrag ist übrigens auch in der pma-Ausgabe 03/18 nachzulesen!