Singoldsand Festival: Große Show mit kleinem Besteck

Es müssen nicht immer Weltstars auf der großen Bühne stehen, um das Publikum zum Toben zu bringen. Oft sind es gerade die etwas kleineren Shows, die eine perfekte Atmosphäre schaffen. In unserer neuen Serie nehmen wir genau diese Gigs unter die Lupe.

In einer Zeit, in der die großen Shows immer neue Superlativen schaffen wollen, wächst auch das Mittelfeld, und die vermeintlich „kleinen“ Veranstaltungen bieten ein noch nie da gewesenes Niveau. Auf künstlerischer, organisatorischer sowie natürlich auch auf technischer Seite.

Das „kleine Besteck“, mit dem solche Veranstaltungen durchgeführt werden, ist inzwischen nicht mehr auf Einsteiger-Technik beschränkt. Und durch den Einsatz von modernem High-End-Equipment steigt auch die Anforderung an das Personal. Die Zeiten, in denen der kleine „Garagen-PA-Verleih“ mal schnell ein paar Boxen aufstellt sind damit endgültig Vergangenheit.

Singoldsand Festival

Die Singold, ein kleines Flüsschen, das in Augsbug in einen Kanal der Wertach mündet, fließt auch durch die kleine Stadt Schwabmünchen mit ihren knapp 14.000 Einwohnern. Und genau dort und an diesem Flüsschen, findet seit 2011, immer am letzten August-Wochenende, das zweitägige Singoldsand Festival statt.

Bereits seit 2007 organisiert die Jugend von Schwabmünchen ein eigenes Festival, das Landluft Festival zog in einem kleineren Rahmen schon vor dem ersten Singoldsand Festival Gäste aus der gesamten Region in die schwäbische Kleinstadt. Getragen wird das Festival vom Jugendbeirat der Stadt und inzwischen arbeiten rund 150 Helfer am reibungslosen Ablauf der Veranstaltung. Und das ehrenamtlich!

Gleich nach Abschluss des Festivals feilen die Veranstalter an der Ausgabe für das kommende Jahr. Der Jugendbeirat, Vereine und Freiwillige opfern jedes Jahr für das Singoldsand Festival einen großen Teil ihrer Freizeit und das Ergebnis konnte sich in diesem Jahr wahrlich sehen lassen. Auf den ersten Blick hätte das Festival auch aus der Feder einer der bekannten, professionellen Festivalveranstalter stammen können.

Planung, Organisation, Aufbau der Infrastruktur und die Betreuung von Gästen und Künstlern wurde von den Jugendlichen alleine gestemmt. Die Vereine übernahmen den Getränkeverkauf um damit ihre Vereinskassen aufzustocken. Die durch den Non-Profit-Gedanken äußerst moderaten Eintritts- und Verpfelgungs-Preise machten das Festival für die Zielgruppe besonders interessant: für die Jugend.

Und die quittierte die Mühen der Veranstalter mit regem Erscheinen. Das Festival war ausverkauft. Rund 4.000 Besucher konnten pro Tag registriert werden. Ein beeindruckender Erfolg.

Ohne Profis ist so ein Event allerdings nicht möglich. Natürlich wurde eng mit dem Ordnungsamt, der Feuerwehr, Polizei und Rettungskräften zusammengearbeitet. Auch ein professioneller Sicherheitsdienst sorgte für die Sicherheit auf dem Gelände. Und so standen auch für die Technik der beiden Bühnen Profis zur Verfügung.

Zwei Bühnen, Sand und Badewetter

Auf der großen Hauptbühne, der Strandbühne auf dem Schwabmünchner Eisplatz, traten die Headliner des Festivals auf. Darunter Bonaparte, Graham Candy und das Pullup Orchestra. Der betonierte Platz wurde extra mit Sand aufgefüllt um ein Strand-Feeling zu schaffen. Die zweite, etwas kleinere Bühne stand vor der Geyerburg, einer kleinen historischen Burg aus dem 15. Jahrhundert, im angrenzenden Stadtpark.

Vor der sogenannten Seebühne liegt ein kleiner, seichter, von der Singold gespeister See. Dort konnten sich die Besucher bei bestem Badewetter abkühlen – mit Live-Beschallung. Um die Burg herum hatten die Jugendlichen und Vereine eine wundervolle Erlebniswelt aus Kunstobjekten und Bewirtungsangeboten geschaffen. Darunter ein Zelt, das mit Video-Mapping zum Entspannen einlud und einen Open-Air-Shisha-Bar mit gemütlichen Liegestühlen.

Hinter der Burg, die als Backstage-Bereich diente, konnten es sich vor allem die älteren Besucher – denn das Festival zog Jung und Alt aus dem Umkreis an – in einem Biergarten mit kleiner Singer-Songwriter-Bühne gemütlich machen.

Die Technik der Strandbühne

Für die Technik auf den beiden größeren Bühnen war die Firma MKS Showtechnik aus Schwabmünchen verantwortlich. Projektleiter und Technischer Leiter Matthias Knoll setzte dabei auf bekannte High-End-Technik, die man so auf den ersten Blick nicht auf einem Kleinstadt-Festival erwartet hätte.

Auf der Strandbühne, die von Evaro Veranstaltungstechnik aus Türkheim gebaut wurde, waren 24 L-Acoustics Kara, zwölf L-Acoustics SB28 Sub und zwei L-Acoustics Arcs Wide für die Beschallung im Einsatz. Selbstverständlich als geflogenes System. Hier kann man bereits nicht mehr wirklich von „kleinem Besteck“ sprechen.

Als Schaltstelle dienten eine Yamaha CL5 Konsole am FoH und eine Yamaha CL3 am Monitorplatz, gespeist von drei Yamaha RIO 3224 Stageboxen. Geliefert wurde die Tontechnik von der Firma Gruppe 20 aus Augsburg, die auch Teile der Lichttechnik stellten.

Kleine große Lightshow

Gerade im Bereich der Lichttechnik sind Konzertbesucher von den großen Festivals sehr verwöhnt. Dort sind gewaltige Licht-Feuerwerke bereits der Standard. Solche großen Shows sind jedoch äußerst Material-, Personal-, und damit auch Kostenintensiv. Hier musste in Schwabmünchen etwas kleiner gedacht werden – ohne jedoch auf eine große Show zu verzichten.

Matthias Knoll nahm sich der Aufgabe an, auch ohne hunderte von Movingeads eine große Show zu bieten. „Ich habe viel Wert darauf gelegt, in diesem Jahr mehr Licht an die Backtruss zu bringen, um eine durchgehende Lichtgestaltung vom Floor bis unters Bühnendach zu erreichen. Mit den 2-Light Blindern hatte ich die Möglichkeit eine Art Bilderwand zu kreieren“, erklärt Knoll.

So entstanden auch die Traversen-Quadrat, die mit je vier Ayrton Magicpanel R Matrizen, vier SGM Sixpack und vier Cameo Flat Pro 12 ein in diesem Rahmen beeindruckendes Bühnenbild ergaben – ganz ohne teuere LED-Screens oder aufwändige Projektionsflächen.

Ein ganz besonderes Team

Als wir Matthias Knoll am Ende des letzten Festival-Tages noch einmal treffen um uns zu verabschieden, wirkt er erschöpft aber auch sehr zufrieden. Besonders stolz ist er auf das Team, mit dem er die Bühnen auf dem Singoldsand Festival baute und am laufen hielt: „Dieses Team war eines der Besten mit denen ich jemals gearbeitet habe. Jeder einzelne hat viel Herzblut und Engagement in das Festival gesteckt.“

Das gilt natürlich nicht nur für die Techniker vor Ort, sondern für alle, die am Singoldsand Festival 2016 gearbeitet haben. An jeder Ecke wurde das Herzblut der Schwabmünchner Jugend sichtbar und erlebbar.

Auch wenn wir von der pma-Redaktion von den vielen wirklich großen Veranstaltungen verwöhnt sind, die wir im laufe eines Jahres besuchen dürfen, so bleibt uns das Singoldsand Festival doch ganz besonders in Erinnerung. Es ist nunmal mit Liebe gemacht – und diesen einzigartigen Flair werden wir uns im nächsten Jahr bestimmt nicht entgehen lassen.

Lichttechnik Strandbühne

  • 12 x Martin MAC Viper Profile
  • 18 x JB-Lighting Sparx 7
  • 6 x Robe Robin Pointe
  • 8 x Ayrton Magicpanel-R
  • 4 x Martin Atomic Strobe
  • 12 x SGM Sixpack
  • 2 x Smoke Factory TourHazer
  • 12 x 2-light Blinder
  • 6 x 4-light Blinder
  • 6 x Arri Stufenlinse 1kW
  • 120 x LED Lampen für die gesamte Geländebeleuchtung
  • 1x Grand MA 2 Fullsize

Tontechnik Strandbühne

  • 24 x L-Acoustics Kara
  • 12 x L-Acoustics SB28 Sub
  • 2 x L-Acoustics Arcs Wide
  • 1 x Yamaha CL5 (FoH)
  • 1 x Yamaha CL3 (Monitor)
  • 3 x Yamaha Rio 3224 Stagebox



Bilderstrecke Singoldsand Fetival


Den Artikel finden Sie auch in der pma Ausgabe 8/2016