pma-Basics: Gitarre und Bass im Mix ideal platzieren

Gerade bei Rock- und Metal-Produktionen sind Gitarren und Bass wichtige Bestandteile des Sounds. Wie man diese Instrumente am Besten im Mix platzieren kann, verraten wir in unseren pma-Basics.

In dieser Folge unserer Basics geht es um die Saitenschwinger im Mix. Wir gehen davon aus, dass der Mix auf einer Digitalkonsole erstellt wird. Natürlich sind diese Tipps auch auf jedem analogen System umsetzbar, allerdings sollte man in diesem Fall ein Siderack mit ordentlicher Effekt-Auswahl parat haben.

E-Gitarren und E-Bass sollte zunächst separat angegangen werden. Erst im nächsten Schritt soll die Einheit zwischen den beiden Instrumentengruppen erzeugt werden. Beim E-Bass ist darüberhinaus die Vereinigung mit der Kickdrum ein wichtiger Bestandteil eines guten Mixes.

In vielen Fällen liegen Gitarren links und rechts in Stereo vor. Eine andre Möglichkeit sind zwei unterschiedliche Gitarren, die nach rechts und links gepant werden. Beurteilt die Gitarren zunächst im musikalischen Kontext zusammen mit allen Instrumenten und hört, in welches Soundgewand ihr die Gitarren legen wollt.

Auch wenn ihr im finalen Mix die beiden hart links und rechts im Panorama platziert, solltet ihr den Sound für erstmal eine Gitarre in der Mitte im Solo-Mode beurteilen. Es fühlt sich einfach komisch an, wenn man die ganze Zeit nur von einer Seite ein Gitarrensignal hört. Wenn beide Gitarren gleich klingen sollen, kopiert ihr einfach die Einstellung von einem Channel-Strip in den nächsten.

Ich empfehle, von einem neutralen Grundsound des Amps auszugehen. Reduziert nicht schon direkt die Mitten, nur weil ihr es gewohnheitsmäßig „immer“ so macht. Man sollte zuerst mit der Mikrofonposition arbeiten, bis der Sound schon einigermaßen passt. Ein paar Faustformeln zum Verständnis, was dabei passiert:

  • Je direkter das Mikro am Speaker, desto isolierter/komprimierter/in-your-face-mäßiger wird der Sound. Durch den Abstand wird der Klang luftiger (Achtung Feedbackgefahr und Übersprechen anderer Instrumente wächst bei höherem Abstand!).

  • Je weiter Richtung Kalotte (Lautsprecher-Mitte), desto heller und krisper wird der Sound.

  • Je weiter Richtung Außenmembran, desto weicher und diffuser das Endresultat. Stimmt die Mikrofonposition, kann es mit der Bearbeitung weitergehen.

Analytischer EQ (Störfrequenzen reduzieren)

Das Gitarren- und Basssignal lassen sich gut von Störfrequenzen befreien, indem ihr mit einem parametrischen EQ mit enger Kurve und starker Anhebung langsam über das gesamte Frequenzband sweept. Störfrequenzen sind die, die andauernd gleichmäßig zu hören sind, unabhängig von der Tonhöhe des gespielten Materials an der Gitarre.

EQ auf der Gitarre

Es gibt keine Regeln, aber ein paar Tipps, die im Zweifelsfall hilfreich sein können. Meist ist im Gesamtkontext der Bassanteil einer E-Gitarre störend. Lasst dem E-Bass und der Kickdrum den Platz und setzt einen Low-Cut-Filter zwischen 50 Hz bis 80 Hz. Darüberhinaus beurteilt die Gitarre nicht nur solo, sondern auch im Kontext.

Meist konkurrieren Stimme, (Rhytmus-) Gitarren, Streicher und Pianos im Mittenbereich von 800 Hz bis 3 kHz. Jedes Signal lässt sich in eine bestimmte Richtung tweaken, doch ihr müsst zunächst bedenken, welche Signale im Vordergrund und welche im Hintergrund stehen sollen.

Da meist auf der Stimme das Hauptaugenmerk liegt, solltet ihr dieser den Bereich von 3 kHz reservieren. Wenn eure Musik auf Rhythmusgitarren basiert, sollten sie in der Priorität unmittelbar hinter der Stimme stehen. Auch wenn die meisten Gitarristen gern die Mitten bei 1 kHz scoopen, ist in diesem Bereich häufig ein guter Platz für die Gitarren. Meist kann eine Anhebung bei 250 bis 400 Hz den Druck erhöhen und die Gitarre etwas fetter,  brachialer machen.

Reduziert bei 1,5 -2 kHz, um dem Piano und den Streichern Platz zu lassen. Wenn die Gitarre in eurem Mix eher im Hintergrund bleiben soll, ist eine breite Reduktion der Mitten im Bereich von 400 Hz bis 2 kHz sinnvoll. Um den Ton nicht komplett zu verlieren, kann man ihn im Bereich von 1 kHz bis 2,5 kHz anheben. Der Bereich von 3 kHz bis 6 kHz sollte nur minimal reduziert werden.

Das Gitarrensolo oder Lead-Gitarren passieren meist, wenn die Stimme im Hintergrund oder in der Song-Passage gar nicht vorhanden ist. Demnach werden Leads gern bei 1 kHz reduziert (weiterhin Platz für die Rhythmusgitarren) und im Präsenzbereich von 3 kHz gefeatured. Der Attack kann bei 3 kHz bis 7 kHz besser hörbar gemacht oder reduziert werden.

Kleiner Tipp, wenn der Gitarrist zwischen Rhythmus- und Lead-Sound wechselt: Legt einen Kanal für die Rhythmus- und einen Kanal für die Solo-Gitarre an, natürlich beide mit dem gleichen Input. Jeder Kanal kann nun eigens bearbeitet werden. Beim wechsel zwschen Lead- und Rhythmus könnt ihr nun einfach den jeweiligen Kanal scharf und den anderen auf Mute schalten.

Einige Mixing-Engineers reduzieren die Rhythmusgitarren schon ab 5  kHz, andere heben über 10  kHz nochmal an, um es luftiger zu machen. Ohne dies bewerten zu wollen, lässt sich aber sagen, dass der Höhenbereich nicht der Fokus der Gitarre ist.

Kompression auf der Gitarre

Kompression ist erforderlich, aber lässt die Gitarren unerwünscht schnell pumpen. Der Attack wird gern bei 10 ms bis 50 ms eingestellt. Gerade bei Kompression sollte man auch mal mit dem Kopfhörer ins Signal hören, um etwaiges Pumpen schneller registrieren zu können.
Durch Erhöhung der Gain-Stufe im Gitarren-Amp geschieht übrigens eine automatische Kompression, sodass man bei krassen Zerrsounds nicht mehr viel komprimieren muss.

EQ für den E-Bass

Der Bass soll sowohl die Gitarre anfetten, als auch im Einklang mit der Kickdrum stehen. Abhängig von der musikalischen und geschmacklichen Ausrichtung bekommt entweder die Kick oder der Bass den tiefen Anteil im Frequenzgang.

Magische Frequenzen sind 50 bis 80 Hz und um die 250 Hz, was den Tiefbass- und Bassanteil angeht. Ich persönlich feature gern die Kickdrum bei 50 Khz bis 80 Hz und reduziere den E-Bass hier ein wenig. Dafür bekommt der E-Bass eine Anhebung bei circa 200 Khz.

Achtet dabei aber auf das Bass-Management der PA. Gibt diese schon ordentlich Druck im Bass bereich, sollte man vorsichtig mit den EQs in diesem Bereich arbeiten um Feedbacks zu vermeiden. Das gilt auch besonders für das konventionelle Monitoring.
Sowohl Kickdrum als auch Bass brauchen einen guten Attack bei 4 kHz bis 6 kHz. Präsenzen über 8 kHz können dem E-Bass noch etwas mehr Schimmer und Klarheit verleihen.

Kompression beim E-Bass

Grundsätzlich wird ein E-Bass meist stärker komprimiert als E-Gitarren, was die Ratio betrifft. Hier kann man gut und gern in den Bereich von 4:1 bis sogar 20:1 gehen. Der Attack sollte im Bereich 10 ms bis 50 ms liegen, damit der Transient erhalten bleibt.

Side-Chain-Kompression mit Trigger durch die Kickdrum ist empfehlenswert, wenn man die Bassdrum immer durchsetzungsstark haben will. Sollte in eurem Mix der Bass die Kick immer etwas verschleiern, ist Side-Chain-Kompression das richtige Mittel.
Legt dazu in den Channel-Strip des E-Bass einen Kompressor, der über einen Side-Chain-Eingang verfügt, an. Als Eingangssignal (Trigger) nehmt ihr die Kickdrum. Nun wird der Kompressor immer aktivert, wenn die Kickdrum gespielt wird. Je stärker die Ratio, desto stärker wird der Bass durch die Kick abgesenkt.

Je länger die Release-Zeit, desto länger dauert es, bis der Bass wieder auf Ursprungslautstärke ist. Sinnvoll ist eine recht kurze Release- und Attack-Zeit mit einer moderaten Ratio, da der Effekt meist nicht hörbar sein und subtil passieren soll.

Effekte einsetzen

Normalerweise sind die Effekte auf der Bühne Sache der Musiker. Manchmal ist es jedoch wirkungsvoll, wenn der eine oder andere Spezialeffekt vom FoH aus gemacht wird. Vor allem bei Timecode-getriggerten Shows.

Damit das Ursprungssignal nicht zu undurchsichtig oder verschwommen im Mix wirkt, sollten Effekte wie Delay, Reverb, Chorus etc. über einen Aux-Channel angesteuert werden und nicht direkt im Channel-Strip liegen. Somit sind die Gitarren noch deutlich erkennbar, aber man bekommt zusätzlich Stereo- und Raumtiefe. Das macht den Mix mehrdimensionaler und größer.

Was im Live-Bereich meist nicht gern gesehen (gehört) wird, ist Delay auf der Rhythmusgitarre. Da der Musiker das Delay meist als rhythmischen Effekt nutzt ist es sinnvoller ihm voll und ganz die Kontrolle darüber zu überlassen. Man kann jedoch ein dezentes Delay verwenden, um Mehrdimensionalität zu erzeugen, ohne einen Raumsound zu nutzen. Fast jedes Raum-Plugin klingt sehr eigenständig und nicht immer stellt es einen musikalisch zufrieden, aber nichtsdestotrotz sollen die Rhythmusgitarren mehr Tiefe haben.

Das funktioniert gut über Delay und Chorus. Auch die Anwendung mehrerer Delays (kurze Delay-Zeit bei 350 ms und lange Delay-Zeit über 700 ms), kann gerade bei tragenden Soli noch mehr Dramaturgie erzeugen. Solche Eingriffe sollte man immer mit der Band abgesprochen werden.

Natürlich können auch auf die Effekte EQs gelegt werden, wenn man zum Beispiel das Delay nur in einem bestimmten Frequenzbereich hörbar machen möchte. Häufig reduziert man den Präsenzbereich großflächiger bei 3 kHz und natürlich die Tiefmitten unterhalb von 300 Hz.

Besonders zu erwähnen ist das Analog-Delay, das bei jeder Wiederholung an Höhen verliert – quasi wie ein reales Echo. Dieser Delay-Typ erzeugt ein warmes Delay, was dem Ursprungssignal noch mehr Präsenz lässt.

Reverb: Viele Reverb-Plugins sind mit einem EQ ausgestattet. Entweder nur mit Low- und High-Pass-Filtern oder sogar einem parametrischen Equalizer, mit dem mehrere Frequenzbänder bearbeitet werden können.

Es ist manchmal sinnvoll, den Reverb im Frequenzgang zu bearbeiten, damit er den Mix nicht überfüllt. Meist schneidet man pauschal alles unter 100 Hz mit einem Low-Cut-Filter (=High-Pass-Filter) weg, damit genug Platz im Mix für die Kick und den Bass bleibt.
Geschmackssache ist, ob man den Mittenbereich oder den Höhenbereich reduziert. Sollte im Mittenbereich in eurem Gesamtmix viel passieren (Vocals mit vielen Backing-Stimmen, umfangreiche Gitarrenarbeit, etc.), ist es ratsam, eher den Höhenbereich mit Reverb anzureichern.

Beim E-Bass sind oben genannte Effekte nicht standardmäßig, da der tieffrequente Anteil sonst im Mix verloren geht. Im schlimmsten Fall verliert der E-Bass beim Einsatz von Modulationen wie einem Chorus das gesamte Fundament. Somit ist es oft ratsam, den Bass trocken zu lassen.

Gitarren-Bus vs. Gitarren- & Bass-Bus

Pauschal lässt sich sagen, dass es wenn möglich einen eigenständigen Gitarren-Bus geben sollte. In manchen Fällen ist auch ein gemeinsamer Bus für E-Gitarre und E-Bass denkbar, wenn diese Instrumente eine untergeordnete Rolle im Gesamtmix spielen.

Wie auch bei den Drums hat der Bus-Channel für die E-Gitarren die Aufgabe, die Signale zu einer Einheit zu verschmelzen. Ich empfehle, die Solo-Gitarre direkt auf die Main-Summe zu geben, da Rhythmusgitarren final anders bearbeitet werden als die Solo-Gitarre. Gerade bei mehrstimmiger Gitarrenarbeit ist ein gemeinsamer Bus verantwortlich für einen einheitlichen Sound.

Dieser Beitrag ist übrigens auch inklusive EQ-Tipps für Gitarre und Bass in der pma-Ausgabe 03/19 in der Rubrik pma-Basics nachzulesen!