pma Basics: Bühnenbeleuchtung richtig programmieren

Wir finden, es ist an der Zeit, mal wieder das Grundwissen – die Basics – aufzufrischen. Und was für den Profi eine gute Wiederholung ist, das hilft den Kollegen aus anderen Gewerken ein Stück mehr vom „großen Ganzen” der Produktion zu verstehen. Thema heute: Bühnenbeleuchtung.

Immer wieder passiert es: die Lichtshow passt nicht mit dem Geschehen auf der Bühne zusammen. So kann es sein, dass die romantische Ballade von hektisch grün blinkenden Scheinwerfen begleitet wird oder das Licht in Sachen Geschwindigkeit nicht mit dem schnellen Parts mithalten kann – vielmehr scheint es einzuschlafen.

Bei Szenarien wie diesen ist meist die automatisierte Funktion „Stand Alone“ im Spiel. Das Ergebnis dieser Lösungen sind meist bunte und blinkende Zufallsprogramme, die einer Performance oft mehr Schaden zufügen, als sie von Nutzen sind. Das ist natürlich kein Wunder, schließlich kann die Lichtanlage nicht wissen, welche Lichtstimmung zur Musik passt oder was das Publikum von einer Lightshow erwartet. Also muss der Techniker seiner Anlage quasi sagen, was sie tun soll: er muss das Licht selbst programmieren.

Bei vielen Veranstaltungen und in Event-Locations sind bereits Lichtpulte vorhanden – man muss also das nehmen, was da ist. Hat man jedoch die Auswahl, helfen folgende Kriterien bei der Wahl des richtigen Werkzeugs, um das Bühnenlicht so zu gestalten, dass aus der Performance eine einzigartige Show mit coolen Lichteffekten wird.

Der Controller

Die wichtigste Grundlage ist der richtige Controller. Wer sich hier umschaut, der wird schnell merken, dass die Auswahl riesig ist: schon für unter 50 Euro sind günstige DMX-Controller zu bekommen, die Preis-Range reicht aber auch bis weit über 50.000 Euro. Neben dem Budget gibt es aber natürlich noch viele weitere Entscheidungsfaktoren für den passenden Light-Controller. Leider ist es beim Controller-Kauf ähnlich wie im Schuhgeschäft, auch hier merkt man oft erst nach ein paar Tagen, ob die erworbenen Schuhe wirklich passen. Wir gehen Schritt für Schritt vor und betrachten die einzelnen Kriterien der Reihe nach.

Wie viele Kanäle braucht es?

Eine sehr wichtige Frage, denn jeder Scheinwerfer benötigt eine gewisse Anzahl an DMX-Kanälen zur Steuerung. Dies kann breit gefächert sein: von einem Kanal bei einem ganz einfachen Weißlicht-Scheinwerfer bis hin zu vielen Kanälen bei Moving Lights oder speziellen Lichteffekten. Wie viele Kanäle die genutzten Scheinwerfer benötigen, erfährt man aus der Bedienungsanleitung. Dort ist das DMX-Protokoll des Scheinwerfers zu finden, aus dem auch genau hervorgeht, welcher Kanal wofür zuständig ist.

Viele Scheinwerfer bieten sogar mehrere Protokolle an, die unterschiedlich viele DMX-Kanäle benötigen. Am übersichtlichsten ist es, eine Liste der Zahl der einzusetzenden Scheinwerfer anzufertigen und darin zu vermerken, wie viele Kanäle jeder einzelne Strahler benötigt. Zu berücksichtigen ist dabei, dass die Lichtanlage künftig eventuell auch erweitert werden soll.

Neben der Gesamtanzahl an Kanälen ist auch die Pultstruktur ein wichtiger Faktor – gerade bei den kleineren Controllern wird oft angegeben, wie viele einzelne Scheinwerfer sich mit dem Gerät jeweils ansteuern lassen. So kann ein Controller zum Beispiel 192 DMX-Kanäle steuern, ist vom Aufbau jedoch so konzipiert, dass maximal 12 Geräte gesteuert werden können – von denen jedes Gerät 16 Kanäle haben darf. Wenn man hingegen 20 Geräte mit je vier DMX-Kanälen steuern will, braucht man zwar weniger Kanäle als mit diesem Controller höchstens möglich sind, aber die daraus entstehende Pultstruktur wird dennoch schwierig zu bedienen sein.

Funktionen und Bedienung

Doch damit nicht genug: Jedes Pult hat eine eigene Bedienphilosophie und eventuell auch verschiedene Funktionen, die das Programmieren erleichtern können. Wenn verschiedene Geräte angesteuert werden sollen, wäre es zum Beispiel von Vorteil, wenn das Pult eine sogenannte Patchfunktion hat. Dies bedeutet, dass man die Geräte nicht stur nach deren DMX-Protokoll kontrollieren muss, sondern die Kanalfunktionen verschieben kann. Wenn also verschiedene Geräte mit identischen Funktionen vorhanden sind, so können diese so angelegt werden, dass man die Farbe Rot trotzdem immer auf demselben Fader findet.

Das Pult sollte über einen Bewegungsgenerator verfügen, wenn mehrere kopfbewegte Scheinwerfer eingesetzt werden sollen. So vermeidet man das einzelne Einstellen und Programmieren von jedem Punkt des Bewegungsablaufs, sondern gibt nur noch den Mittelpunkt, die Form der Bewegung, den Radius und die Geschwindigkeit ein. Größere Controller haben diese Funktion übrigens nicht nur für die Bewegungen, sondern beispielsweise auch für Farben oder sogar für alle Funktionen.

Allerdings ist zu beachten, dass nicht nur die Programmierung bei der Anschaffung eines Pults entscheidend ist: auch wie später die Programme abgerufen werden und wer das Pult bedienen soll, sind wichtige Aspekte und sollten nicht außer Acht gelassen werden. Gerade wenn die Lichtsteuerung nur nebenher bedient werden soll, wird man erleichtert sein, wenn während der Show alles übersichtlich ist. Gerade günstige Controller, die nur wenige Taster haben verlocken zum Kauf, da sie diesbezüglich besonders einfach erscheinen.

Eben diese Taster sind oftmals mit verschiedensten Funktionen belegt und man muss sie mehrmals oder kombiniert betätigen, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Bei vielen einfachen Pulten kann man die einzelnen Lauflichter oder Stimmungen nur starten und nicht deren Helligkeit einstellen. Während andere Konsolen die Möglichkeit bieten, jede Programmhelligkeit stufenlos mit dem Fader einzustellen, ist das bei den einfacher gestrickten Konsole nicht der Fall.

Man sollte sich zudem auch die Frage stellen, ob mehrere Programme gleichzeitig laufen sollen. Denn nicht jedes Pult kann diese Funktion liefern und das gewünschte Ziel erreichen. Die meisten Vertriebe stehen mit Rat und Tat zur Seite, was man unbedingt nutzen sollte. Eigene Ansprüche sollten zusammengefasst werden, damit man bei der Beratung weis, wohin die Reise gehen soll und welche Konsole an besten geeignet ist. Ohne Beratung und ohne Erfahrung wäre es nicht das erste Mal, wenn man sich mehrere Konsolen kauft, bis man den richtigen Controller gefunden hat.

Vorbereitung ist alles

Ein vollkommener Sprung ins kalte Wasser ist beim Programmieren der Lightshows definitiv keine großartige Idee. Man sollte sich auf jeden Fall mit dem eigenen Controller auskennen, denn man muss beim Programmieren sehr auf die eigentliche Bedienung der Konsole achten – dies kostet viel Kraft und spiegelt sich meist negativ in der Kreativität wieder. Man sollte also erstmal das Pult kennen lernen, bevor man sich ernsthaft an die eigentliche Arbeit macht. Aber auch in der Übungsphase sollten schon konkrete Aufgaben gelöst werden, wie sie später in der Praxis auch vorkommen.

Im Zeitalter der Video-Tutorials ist es einfach, sich über die jeweilige Konsole zu informieren und zu erfahren, wie sie zu handhaben ist. Auch auf den Homepages der Hersteller findet man genügend Material, um sich mit der neuen Konsole zurecht zu finden. Ebenfalls ist das gründliche Studium der Bedienungsanleitungen wichtig, da gerade bei den Scheinwerfern hier oft DMX-Tabellen verzeichnet sind, auf die man zurückgreifen muss um sie im Controller anzulegen.

Natürlich sollte man sich auch im Klaren darüber sein, was man mit der Lightshow eigentlich erreichen will und welches Ziel man sich gesetzt hat. Am besten ist es, sich eine Liste der benötigten Stimmungen zu erstellen. Wenn es eine klar strukturierte Show ist, sollte man mit einer Setliste das Licht programmieren, damit das Licht mit der Musikstimmung zusammen passt.

Übrigens hilft es ungemein, wenn beim Programmieren die passende Musik abgespielt wird. Man sollte sich also im Vorfeld die passenden Stücke suchen und sich während des Programmierens unbewusst inspirieren lassen.

Weniger ist oft mehr

Das Bühnenlicht soll den Auftritt unterstützen, beziehungsweise optisch passend begleiten, aber nicht von ihm ablenken. Man muss also nicht gleich übertreiben und gleich im ersten Lied demonstrieren, was in der Lichtanlage steckt. Vielmehr sollte man über die ganze Show immer wieder für optische Überraschungen und Staunen sorgen, um das Können der Lichtanlage unter Beweis zu stellen.

Ebenso wichtig: nicht allzu viele Farben gleichzeitig einsetzen, denn wirklich stimmungsvolle Lichtbilder bestehen meist nur aus wenig Farben. Mit wenigen, schön aufeinander abgestimmten Farbtönen lässt es sich viel stimmungsgerechter arbeiten, wodurch eine Ballade zu einem unvergesslichen Moment werden kann. Bei falscher Farbwahl oder zu vielen Farben kann man solch einen Moment schnell zerstören – was natürlich nicht Sinn der Sache ist.

Beachten sollte man auch, dass sich farbiges Licht mischt. Wer also seine Bühne in Rot, Grün und Blau gleichzeitig beleuchtet und die Farben sich mischen, erzeugt im Endeffekt nur ein schmutziges Weiß.

Die eigenen Möglichkeiten sollte man darüber hinaus ebenso bedenken: Stress beim Aufbau und während der Show sollten minimiert sein, um die eigene Arbeitsleistung nicht zu beeinträchtigen. Denn auch die noch so genialen Lichteffekte bringen nichts, wenn die Ansteuerung nicht richtig klappt. Gerade wenn das Licht nebenbei bedient werden muss, ist weniger hier oft mehr und alles was chaotisch und unpassend wirkt, ist kontraproduktiv. Statt die Bühne also in ein unkoordiniertes Farbchaos zu verwandeln, sollte sie besser in einer Stimmung schön ausgeleuchtet sein – diese kann im Zweifel auch während der ganzen Show beibehalten werden.

Der Inspiration die Tür öffnen

Es kann nie schaden, über den Tellerrand zu schauen und zu beobachten, was andere so mit ihren Möglichkeiten fabrizieren. Sowohl bei kleineren Events als auch bei den ganz großen Shows kann man sich viel von anderen abschauen und selbst damit experimentieren. Den eigenen Stil entwickelt man erst mit der bereits gemachten Erfahrung. Mit etwas Kreativität lassen sich oft auch diese Ideen in kleinem Stile umsetzen.

Ein Beispiel für tolle Vorbilder findet man auch in der Natur: ob Sonnenuntergang, Sternenhimmel, Regenbogen oder Lichtstrahlen, die durch dicke Wolken brechen. Die Natur hat die grandiosesten Lichtspiele auf Lager, welche man auch in der Veranstaltungstechnik umsetzen kann.

Oft findet man die passende Farbe oder Stimmung für die richtige Beleuchtung bei der Lightshow bereits im Titel oder dem Inhalt der jeweiligen Songs, die während der Show oder Perfomance laufen sollen. Purple Rain lässt grüßen.

Ein Song ist nicht gleich die Show

Vor der Programmierung einer Show empfiehlt es sich, eine sogenannte Cue-Liste zu erstellen. Auf dieser wird unter anderem vermerkt, an welcher Stelle der Show welches Lichtprogramm eingespielt werden soll. Aber Vorsicht: die Cue-Liste beginnt nicht gleich mit dem ersten Song, sondern deutlich früher – meist schon beim Einlass des Publikums und endet oft mit dem Putzlicht.

Man sollte festlegen, wie das Saal- und Bühnenlicht beschaffen sein soll, wenn die Zuschauer den Veranstaltungsort betreten. Bekanntlich zählt der erste Eindruck besonders, hier kann man gleich zu Beginn Interesse und Aufmerksamkeit wecken – und auch ein unvergessliches Erlebnis vor der eigentlichen Show.

Auch in den Pausen sollte man die Lichtstimmung aktiv gestalten, denn diese hat Einfluss auf die Stimmung des Publikums. Ein farbiges Gewirr aus Lichteffekten und Blitzen ist aber keineswegs von Vorteil, denn man erreicht nur, dass die Zuschauer froh sind, wenn die Show weitergeht und das Chaos vorüber ist.

Nicht zu vergessen ist die Frage, wie sich das Licht verhalten soll, wenn zum Beispiel eine Ansage zwischen zwei Songs gemacht wird oder wenn während eines Gigs eine Pause gemacht wird – etwa um die Gitarren zu wechseln. Auch solche Dinge sollte bei der Lichtgestaltung beachtet werden, denn gerade diese durchdachten Übergänge machen oft den Unterschied von einer professionell zur stark improvisiert wirkenden Show.

Programmieren für das Publikum

Das Licht muss nicht in erster Linie von der Bühne aus gut aussehen, vielmehr soll doch das Publikum die Lightshow genießen können. Deshalb sollte man unbedingt aus der Sicht der Zuschauer programmieren, auch wenn die Scheinwerfer später während der Show von der Bühne aus gesteuert werden sollen. Die Wirkung des Lichts kann man nur beurteilen, wenn man von dort aus programmiert, wo während der Show das Publikum ist. Wenn das Publikum permanent geblendet wird, ist dies sicherlich kontraproduktiv und nicht der Sinn der Lightshow.

Also sollte schon beim Aufbau und Programmieren darauf geachtet werden, dass eventuelle Blendwirkungen vermieden werden und mit der Beleuchtung nicht übertrieben wird.

Die Lichtdramaturgie ist ebenfalls besonders wichtig – wie ein Film oder ein gutes Buch lebt auch das Bühnenlicht von Abwechslung und dramatischen Ereignissen. Unterschiedliche Stimmungen machen den Reiz einer guten Show aus. 

Speichern nicht vergessen

Das man die Programmierungen speichern muss, ist wohl bekannt. Bei einigen Pulten muss man jedoch auch immer wieder abspeichern. Also sollte darauf geachtet werden, dass hier nichts verloren geht – Sicherheitskopien sind in diesem Fall keine schlechte Idee und können äußerst hilfreich sein, sollte doch mal etwas abhanden kommen.

Mittlerweile gibt es bei vielen kleineren Pulten auch die Möglichkeit, die Programmierungen und Einstellungen auf einen USB-Stick zu speichern. Auch die Dokumentation der eigenen Arbeit ist ein wichtiger Punkt: man kann das Pult beschriften und sich notieren, wo welche Scheinwerfer positioniert werden und welche Startadressen diese haben. Bei einem festen Aufbau ist dies besonders hilfreich, allerdings nur, wenn jeder Scheinwerfer nach genau diesem Plan beschriftet ist – also auch hier sorgfältig arbeiten.

Zum Abschluss sollte noch eins gesagt sein: niemand ist von Anfang an perfekt! Mit etwas Übung und Kreativität kann man es jedoch schaffen, aus einem Lichter- und Farbengewirr auf der Bühne, eine unfassbare Lightshow zu zaubern. Ob nun für eine kleine Veranstaltung oder aber für eine große Show – wichtig ist hierbei nur, dass man gut vorbereitet ist, sein Equipment kennt und sich an die jeweiligen Arbeitsschritte hält.


Diesen Beitrag kann man auch in der pma-Ausgabe 06/17 nachlesen!