Nachhaltigkeit: Grüne Aussichten - graue Realität?!

„Grün“ darf kein Prädikat bleiben, es muss fester Bestandteil und Grundlage jeglichen wirtschaftlichen Handelns werden, so der einhellige Tenor auf der diesjährigen Fachmesse „Best of Event“. Doch wie weit ist das Bewusstsein auch in der Veranstaltungsund Eventbranche angekommen?

In der pma-Ausgabe 2/2020 starteten wir mit einer neuen und auch sehr wichtigen Rubrik: Green - Nachhaltigkeit in der Event- & Veranstaltungsbranche. Wir unterhielten uns mit dem Dipl.-Betriebswirt Clemens Arnold (2bdifferent) sowie mit Marcus Stadler, vorm. Bereichsleiter Eventarchitektur, CSR Manager (satis&fy) über dieses Thema und die stetig steigende Wichtigkeit.

Wir haben hier einen Auszug des Beitrags für Sie aufbereitet.

Kein modern geführtes Wirtschaftsunternehmen kann es sich heutzutage noch leisten, das Thema Nachhaltigkeit zu ignorieren. Es ist längst Teil unternehmerischer Verantwortung. Doch was ist darunter genau zu verstehen und welche Maßnahmen kommen infrage?
Denn ein gemeinsamer Konsens ist noch längst nicht gegeben. Die Expertenmeinungen sehen den Begriff der Nachhaltigkeit gleichermaßen ökologisch wie auch unter sozialen Aspekten. Sprich, es geht nicht ausschließlich nur um Schonung der Ressourcen, sondern auch den respektvollen Umgang, gerechte Entlohnung und die Einbindung der Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse.

Dipl.-Betriebswirt Clemens Arnold ist Partner bei 2bdifferent, Beratungsagentur für Nachhaltigkeit in der Veranstaltungswirtschaft. Er berät mit seiner umfassenden Expertise Unternehmen, Verbände, Organisationen, Veranstalter und Agenturen aus dem Eventund Sportbusiness.
Mit der Ausbildung zum Corporate Responsibility Manager an der Universität Bayreuth und als Trainer des Deutschen Nachhaltigkeitskodex begleitet er Unternehmen, Verbände und Institutionen bei der Entwicklung von Nachhaltigkeitsstrategien sowie bei der Einführung und Umsetzung von Nachhaltigkeits- Managementsystemen.

Er ist Mitglied in der Jury des PSI Sustainability Awards und der Future Convention. Als Dozent an der SRH Hochschule Heidelberg, der Hochschule der Wirtschaft für Management Mannheim und der Deutschen Hotelakademie Köln vermittelt er den Studierenden „Marketing und CSR“.

Auf der erst vor wenigen Tagen veranstalteten Best of Events in Dortmund gab es einige wichtige Beiträge und Keynotes zum Thema Sustainability auf dem Podium. Besonders der Beitrag von Clemens Arnold, Partner der Beratungsagentur 2bdifferent, fand rege Teilnahme und Aufmerksamkeit. Mit ihm sprachen wir über Maßnahmen und Perspektiven der Nachhaltigkeit in der Veranstaltungs- und Eventbranche.

Interview mit Clemens Arnold

pma: Sie beraten mit 2bdifferent Unternehmen aus der Veranstaltungs- und Eventbranche zum Thema Nachhaltigkeit. Wie treten diese Kunden an Sie heran?

Clemens Arnold:
Es sind sowohl die Auftraggeber*/Planer*innen wie auch die Dienstleister der Veranstaltungs- und Eventbranche, die in Sachen Nachhaltigkeit auf uns zukommen. Die Kontaktaufnahme wie auch die Motivation sind unterschiedlich. Ein Teil der Unternehmen ist intrinsisch motiviert sich mit dem Thema auseinandersetzen zu wollen, sprich Nachhaltigkeit ist bereits in der Unternehmens-DNA verankert.
Ein weiterer Teil wird durch Kunden und Stakeholder getrieben aktiv zu werden und ein wieder anderer Teil wird aufgrund von gesetzlichen Vorgaben und Auflagen aktiv. Die beschriebenen Motive kommen zum Teil auch in Kombination vor – je nach Ausgangslage der Kunden.

pma: Können Sie uns einige ihrer Kunden benennen und wie konkret sich ihr jeweiliges Konzept ausgewirkt hat?

Clemens Arnold:
Durch die nachhaltige Beratung und Umsetzung des DRUPA- Messekonzeptes für die Heidelberger Druckmaschinen AG konnten über 600.000 EUR eingesparen und der CO2- Fußabdruck um 50 bis 70% in einzelnen Handlungsfeldern gesenkt werden.
Diese Ergebnisse wurden durch folgende Maßnahmen erzielt (auszugsweise):
• Der Messestand wurde aus wiederaufgearbeiteten Druckplatten der eigenen Kunden gebaut. Es kam dadurch zu einer verstärkten Bindung zwischen Vertrieb und den Kunden, die mit dieser Maßnahme Teil des Messekonzeptes und -standes wurden. Dadurch entstanden hohe Einsparungen bei Materialkosten und CO2-Verbräuchen.

• Der Messestand wurde mit Ökostrom betrieben. Es wurden auf der Heidelberger Druckmaschinen Messefläche LEDLampen installiert. Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Schaffung personeller Verantwortlichkeiten für das Abfallmanagement. Mit Dienstleistern wurden Vereinbarungen zur Abfallentsorgung getroffen. Weiter wurden ökologische und ökonomische Einsparungen bei Verpackung, Logistik und Aufbau erzielt.

• Durch eine geschickte Taktung und Verzahnung von Standbesetzungs- und Abfahrtszeiten der ÖPNV am Messestandort konnten Reisekosteneinsparungen in Höhe von 20.000 EUR während der Messedauer erzielt werden. Dies dadurch, da der komplette Individualverkehr (i.d.R. mit Taxis) auf unter 10% gesenkt werden konnte. Ebenso wurden diese Einsparungen möglich, da man sich bewusst für messenahe Hotels entschieden hatte. Ein zusätzlich positiver Effekt dieser Maßnahmen
war die hohe Zufriedenheit und Motivation der Standmitarbeiter*Innen.


• Nachhaltigkeit schafft auch akquisitorisches Potential! Ein weiterer messbarer Aspekt dieses nachhaltigen Messekonzeptes war es für Heidelberger Druckmaschinen, dass über die Kommunikation im Vorfeld der Messe auch neue Interessenten und Zielgruppen erreicht wurden und sich für einen Messebesuch interessierten. Daraus resultierten neue Kundenaufträge. Es erfolgte Medienaufmerksamkeit über den gesamten Messeprozess mit u.a. großen internationalen Fachmedien wie www. exhibitoronline.com.

Ein weiteres Beispiel ist der Deutsche Filmpreis 2019, den wir im ersten Schritt bei der nachhaltigen Umsetzung der Preisverleihungs-Gala und anschließenden After-Show-Party beraten haben. Ein Highlight bei den Maßnahmen war hier die Entscheidung der Geschäftsführerin der Deutschen Filmakademie Claudia Loewe den 2.300 Gästen der Gala ein vegan/ vegetarisches Catering anzubieten. Neben ökonomischen Effekten ergab sich dadurch eine CO2-Reduktion von 24 t für das herkömmliche Catering auf 8 t für das vegan/vegetarische Catering. Weitere nachhaltige Maßnahmen waren der Bezug von 100% Ökostrom, Barrierefreiheit und intensive Kommunikation für eine klimafreundliche Optimierung der Reisekette.

Gerade die Automobilindustrie ist im Moment sehr aktiv in Sachen nachhaltige Umsetzung von Veranstaltungen und Events. So auch bei einem Automobilhersteller bei der Weltpremiere seines neuen vollelektrischen Sportwagens 2019 in seinen Hauptabsatzmärkten China, USA/Kanada und Europa. Bei diesem Event haben wir die Lieferantenauswahl nach nachhaltigen Kriterien für den Messebau, das Catering und die Technik in China, USA/Kanada und Europa begleitet. Damit wollte der Hersteller sicherstellen, dass auch die Lieferkette des Events - aus nachhaltigen Lieferanten und Dienstleistern besteht. Dieser Ansatz gewinnt immer mehr an Bedeutung – gerade bei Corporate Events.

Interview mit Marcus Stadler

Zu einem der führenden All-Service- Dienstleister in Deutschland zählt das Unternehmen satis&fy mit Hauptsitz in Karben inmitten des Rhein/Main-Gebietes. Das Thema Nachhaltigkeit ist hier bereits seit mehr als 10 Jahren fester Bestandteil der Firmenphiliosophie.
Marcus Stadler, einem Urgestein im Hause satis&fy, sieht sich auch politisch, als Grüner Kommunalpolitiker dem Thema Nachhaltigkeit verpflichtet und hat als Umweltmanager maßgeblichen Verdienst an der positiv nachhaltigen Auswirkung bei satis&fy. Mit ihm sprachen wir über den Spagat zwischen wirtschaftlichem Erfolg und nachhaltiger Produktion.

pma: Sie sind als Mann der ersten Stunde im Unternehmen satis&fy engagiert. Können sie uns etwas über die Historie und die Entwicklung zum Thema Nachhaltigkeit in diesem Unternehmen berichten?

Marcus Stadler:
Gestartet sind wir bei satis&fy 2010 mit einem kleinen engagierten CSR-Team. Anfangs noch neben dem Job haben wir uns darum gekümmert alle Themen, Inhouse Initiativen und Ideen zur Nachhaltigkeit zu bündeln und zu unterstützen. Es wurde uns aber im laufenden Prozess schnell klar, dass man das Thema CSR im Unternehmen auf eine professionelle Ebene hieven muss, will man damit Erfolg haben und keine Augenwischerei betreiben. So wurde Nachhaltigkeit 2011 im Unternehmensziel festgeschrieben und wir haben mit einer CSR Zertifizierung begonnen. Wir wollten aber keine bloße Momentaufnahme unseres Handelns, sondern einen intensiven Verbesserungsprozess starten. So haben wir uns für eine Gemeinwohlbilanzierung nach GWÖ entschieden und diese dann nach ca. 14 Monaten Entwicklung Anfang 2014 zur Zertifizierung gebracht.

CSR greift in alle Unternehmensprozesse positiv ein, und so wurden im Laufe der Jahre viele unterschiedliche Bestrebungen von nachhaltigen Produktentwicklungen über Mitarbeitermaßnahmen bis hin zu diversen Sponsorings in den Kommunen unserer Standorte gestartet. Ein konzernweiter Weihnachtsarbeitseinsatz der s&f Mitarbeiter zur Unterstützung von Flüchtlingsunterkünften ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Die Themenfelder entwickeln sich schnell weiter und jetzt sind die Umweltwirkungen allem voran die CO2-Emmissionen Einim Fokus der Betrachtung. Deshalb sind wir aktuell dabei ein Umweltmanagementsystem nach ISO DIN 14001 aufzusetzen, mit dem Ziel das Unternehmen baldmöglichst nach EMAS zu zertifizieren. Die sozialen Aspekte können wir hier auch gut andocken. Die Anforderungen der Kunden wachsen stetig und bald wird Nachhaltigkeit zum konkreten Ausschreibungskriterium, darauf stellen wir satis&fy ein.

pma: Als Verantwortlicher für Corporate Social Responsibility für den All Service Dienstleister satis&fy gehört die Entwicklung nachhaltiger Konzepte zu ihren Kernaufgaben. Was darf man speziell im Hinblick auf die Veranstaltungs- und Eventbranche darunter verstehen?

Marcus Stadler:
Ein Konzept zur nachhaltigen Eventumsetzung berücksichtigt alle Umsetzungsschritte und Projektpartner einer Veranstaltung von der Planung über die Show bis zum Ausladen. In Jeder Stufe kann man sich die Frage stellen, ob es vielleicht noch umweltfreundlicher, fairer oder allgemein verträglicher geht.
So macht es zum Beispiel keinen Sinn recyclebaren Teppich zu verlegen, wenn man ihn nach dem Event im Restabfall entsorgt. Die Sicherstellung einer Recyclingkette gehört hier bei der Produktauswahl immer zwingend zur Projektorganisation. Ebenso ist der Umweltnutzen fraglich, wenn man hocheffiziente LED-Lampen einsetzt, die Location aber Kohlestrom bezieht.

Darüber hinaus reduziert eine professionelle Fachkräfte Planung auf Basis angemessener Arbeitszeiten und Arbeitsmittel am besten die Risiken für Mensch und Showablauf. Wenn man ein Event vom Anfang bis zum Ende komplett durchdenkt, lässt es sich durchaus effizient mitarbeiter- und umweltfreundlich und bald auch schon klimaneutral umsetzen.

Den vollständigen Beitrag mit den ausführlichen Interviews finden Sie in unserer pma-Ausgabe 2/2020 - ganz einfach hier online im Shop erhältlich!

Foto: Adobe Stock

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