Modernste Technik im Carmen-Würth-Forum

60 Millionen Euro hat das neue Carmen-Würth-Forum Künzelsau gekostet: Das Werk des renommierten Architekten David Chipperfield am Stammsitz der Unternehmensgruppe Würth ist nach eineinhalb Jahren Bauzeit fertig geworden – pünktlich zum 80. Geburtstag von Carmen Würth wurde es im Rahmen eines großen Festaktes seiner Bestimmung übergeben.

Höhepunkt der dreitägigen Eröffnungsfeierlichkeiten im nordwürttembergischen Künzelsau waren die Auftritte von Stardirigent Kent Nagano mit dem neu gegründeten Würth Orchester, von Rockmusiker Sting und Panda-Rapper Cro. Zum Würth Open Air pilgerten mehr als 20.000 Besucher auf das Gelände vor dem neuen Forum mit eleganter Fassade aus Glas und Stahl, außerdem lockte der Auftritt des aus Künzelsau stammenden Astronauten Alexander Gerst beim Würth Sommerfest die Massen zum neuen kulturellen Anziehungspunkt inmitten der Hohenloher Landschaft.

Das Carmen-Würth-Forum will ein Ort der Begegnung sein, weltoffen und internationaler Gastgeber für alle Generationen, Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen sollen sich hier abseits ihrer Schreibtische begegnen und austauschen, sich gegenseitig inspirieren. Ein Ort also nicht nur der Arbeit, sondern auch der Gemeinschaft.
Ausgestattet ist das moderne, für Ausstellungen, Konzerte, Kongresse, kleinere Messen, Firmenevents oder auch Sportveranstaltungen vielseitig und variabel nutzbare Gebäude mit bis zu 2.500 Plätzen in der modular aufgebauten, befahrbaren Veranstaltungshalle. Herzstück des Forums ist der unterirdische Kammermusiksaal, der bis zu zehn Meter tief unter der Erde liegt und sich erst steil und dann flacher werdend zum Podium hin absenkt. Der Reinhold-Würth-Saal bietet rund 600 Besuchern Platz und verspricht perfekten Klanggenuss. „Bei der Ausstattung haben wir nichts dem Zufall überlassen und auf größtmögliche Qualitätsstandards geachtet.“, erläutert Gerhard Bosch, für die Veranstaltungstechnik im Haus verantwortlich.

Mehrere Regieräume, eine offene Deckenkonstruktion mit zahlreichen Catwalks, 70 bewegliche Kettenzüge, mobile Bühnen, Vorrichtungen für Kamera-Direktübertragungen sowie nach Bedarf mobile Dolmetscher-Kabinen oder die Nachhallverlängerung und weitere technische Feinheiten wie klimatisierte Instrumentenzimmer sorgen dafür, dass im Carmen-Würth-Forum nahezu alles möglich ist. 180 laufende Meter Traverse wurden verbaut, etwa 100 Moving Lights unter der Decke installiert, das Traversensystem verfügt über 60 Hängepunkte mit einer Traglast von jeweis 1.250 Kilogramm.

Allein für den Nachhall haben die Techniker 50 zusätzliche Lautsprecher installiert. Je nach Event lässt sich die Lichtstimmung im Carmen-Würth-Forum via MA Lighting Console dot.2 XL-F variabel gestalten, im Kammermusiksaal etwa lassen sich mehrere tausend Farbstimmungen oder Szenen schalten.

Filigrane Akustik

Für die Akustik in der neuen Heimstätte der Würth-Philharmoniker sorgt französisches Walnuss-Holz. Fein perforierte Paneele absorbieren unerwünschte Schwingungen, während solche mit glatter Oberfläche den Schall weiter leiten. Spezielle „Akustikstühle“ bewirken eine angleichende Wirkung, wenn nicht alle Plätze im Saal besetzt sind.
„Das war sehr aufwändig, hier eine derart perfekte Klangsituation herzustellen.“, weiß Gerhard Bosch. Dazu war es nötig, die Akustik vorher komplett zu simulieren und mehrere Tests hinsichtlich der Raumgeometrie durchzuführen. Der Saal kommt bei Konzerten ohne Verstärkung aus, er ist für Solistenkonzerte ebenso geeignet wie für Orchesterwerke.
„Selbst wenn der Raum voll besetzt ist, liegen die Nachhallzeiten im idealen Bereich.“ 

Für die akustische Planung und Realisierung waren die Experten von Müller-BBM betraut worden. Sie haben etwa im Kammermusiksaal die Stühle akustisch optimiert, im Großen Saal das elektronische Raumakustiksystem Vivace installiert. Für besondere Klangerlebnisse lieferten sie zudem eine mobil installierte Konzertmuschel.
Auf eine fest installierte Bühne haben die Planer bewusst verzichtet, so ist der Saal, umgeben von einer umlaufenden Galerie, welche auch als Veranstaltungsfläche nutzbar ist, in alle Richtungen bespielbar.

Für Freiluft-Events bietet das Außengelände genügend Platz für zwei Bühnen und bis zu 10.000 Zuschauer. Besucher können außerdem in dem am Forum angelegten Skulpturengarten flanieren und dabei Arbeiten international renommierter Bildhauer wie Georg Baselitz, Tony Cragg, Niki de Saint Phalle, Antony Caro oder Jaume Plensa auf sich wirken lassen. Fertig geplant hatte Unternehmer Reinhold Würth das Forum bereits im Jahr 2002, angedacht war zunächst der Bau der Halle mit einem angegliederten Museum. Doch wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise in den Jahren 2007 bis 2010 wurde das Großprojekt vorerst auf Eis gelegt.

Zum Kulturprogramm in diesem Jahr zählt beispielsweise noch ein Auftritt des Kabarettisten Gerhard Polt am 9. November. Das Carmen-Würth-Forum ist täglich geöffnet, von 11 bis 20 Uhr.


Diesen Beitrag können Sie auch in unserer pma-Ausgabe 07/17 nachlesen!

www.carmen-wuerth-forum.de