Lightpower: Mit den Nibelungen-Festspielen gen Orient

Die Nibelungen-Festspiele finden seit 2002 jedes Jahr im Sommer in Worms statt. Auf einer Freilichtbühne direkt vor dem Wormser Dom ist das Theaterfestival ein beliebtes Spektakel und wird stets gut besucht. Intendant der Festspiele war von 2003 bis 2014 Dieter Wedel, seit 2015 hat jedoch der Produzent Nico Hofmann die Verantwortung für die Nibelungen-Festspiele übernommen. 

Unter der Regie von Nuran David Calis wurde dieses Jahr das Stück „GLUT. Siegfried von Arabien“ aufgeführt – nach einer Vorlage des Autors Albert Ostermaier beruht das Stück auf einer historischen Begebenheit und verwob den Nibelungenstoff mit einem nahezu unbekannten Kapitel deutscher Geschichte.

1915, mitten im Ersten Weltkrieg, reiste eine Gruppe deutscher Offiziere mit dem Zug durch den Orient, getarnt als Gauklergruppe. Sie spielen die Geschichte der Nibelungen und gingen in geheimer Mission gegen das britische Empire. Für dieses Stück standen insgesamt 15 namhafte Schauspieler und acht Musiker dafür in Worms auf der Bühne.

Das Lichtdesign war die Arbeit von Kevin Sock, der bei der Umsetzung auf ein MA System baute, bestehend aus 1 x grandMA2 full-size, 1x grandMA2 light, 2 x MA VPU plus MK2, 2 x MA Network Switch und 1 x MA NPU. Kevin Sock erläuterte:
„Große Teile der Aufführung wurden über MIDI getriggert. Auf diese Weise waren wir in der Lage, unsere Video- und Licht-Cues exakt passend zu den Vorgaben der Tonregie zu starten. Gerade bei punktgenauen Übergängen von Szenenwechseln entstehen dadurch sehr präzise und starke Wirkungen, die mit maximaler Genauigkeit reproduzierbar sind.“

Doch bereits im Vorfeld musste das Team mit einigen Herausforderungen kämpfen: Da das Theaterstück auf einer Open-Air Bühne bespielt werden sollte, waren die Proben sehr stark von den Wetterbedingungen abhängig. Auch Lärmschutzbestimmungen und die damit verbundenen Proben, welche außerhalb der regulären Vorstellungszeiten lagen, sorgten für zusätzlichen Druck.

Kevin Sock über diese Hindernisse:
„An dieser Stelle waren eine gute Vorbereitung und die Zuverlässigkeit des genutzten Lichtsystems existenziell. Ein großes Thema war natürlich auch der Punkt, dass wir bei Tageslicht mit der Aufführung starteten und erst im Verlauf des ersten Teils der Vorstellung die Dunkelheit einsetzte. Im Laufe des Aufführungszeitraumes änderten sich zusätzlich permanent die Lichtverhältnisse und stellten uns vor die Herausforderung, Helligkeiten und Farbabgleiche zwischen dem Bühnenlicht und dem Video-Screens anpassen zu müssen. Hier mussten wir sehr genau mit den jeweiligen Intensitäten der Scheinwerfer und des Video-Screens planen, um ein optimales Ergebnis zu haben. Durch die Verknüpfung der Licht und Videokonsolen im Netzwerk konnten wir bei den regulären Vorstellungen die grandMA2 light für die Video-Steuerung nutzen, um die Farb- und Helligkeitsanpassungen auf sehr performante Weise vorzunehmen. Ein weiterer Vorteil dieses Setups war das Wissen, über ein sehr sicheres Backup-System zu verfügen.“

Neben der Fachplanung der Videozuspielung war Martin Rupprecht auch für die Programmierung im Bereich Video tätig und ergänzt die Worte von Kevin Sock: „Sämtliche Komponenten im Bereich Licht und Video waren über Netzwerk verbunden. Die Pulte am FoH standen über den MA Network Switch in Kontakt mit der MA NPU in der Dimmer-City und den beiden MA VPU im Videocontainer. So konnten wir nicht nur die DMX-Ausgabe und die Einstellungen der Server überwachen, sondern auch sehen, ob unser Netzwerk spielt. Zudem konnte ich so über die MA VPU Software auf meinem Laptop am FoH direkt Content-Änderungen in das System übertragen. Gerade während der finalen Proben, wenn die Anspannung aller Beteiligter steigt, ist es wichtig, dass man schnell auf Wünsche und Anregungen reagieren kann. Bei einigen speziellen Hardware-Fragestellungen hat zudem der MA Support extrem schnell und zuverlässig reagiert – das ist in dieser Form bei Weitem nicht selbstverständlich.“

Sock erklärte das Lichtdesign mit den Worten, dass es unter anderem Ziel war, dem Publikum das Gefühl zu vermitteln, es würde sich direkt in der Wüste befinden. „Die Schauspieler sollten in einigen Momenten auch physisch dem Gefühl großer Wärme ausgesetzt sein. Es war also nötig, ein Setup zu finden, das über ausreichend Helligkeit und auch Wärme-Emission verfügte. Eine Blinder-Matrix mit ca. 120kW diente mir zum Beispiel als Sonne. Nachtstimmungen haben wir unter anderem über die Veränderung der Farbtemperatur in den kalten Bereich erzeugt. Hierfür setzte ich auf leistungsstarke Entladungslampen Moving-Lights.“

Er fährt fort:
„Beim Video wiederum haben wir eine Mischung aus vorproduziertem Content und Live-Kamerabildern verwendet. Diese Bilder wurden auf einem LED-Screen, der in das Bühnenbild integriert war, ausgespielt, um auch den hinten sitzenden Zuschauern die Schauspieler möglichst nahe zu bringen. Die Farbanpassungen und Helligkeitsdynamiken für das Live-Kamerabild und den LED-Screen steuerten wir, wie bereits gesagt, live über die Videokonsole und konnten so über den gesamten Aufführungszeitraum immer das optimale Ergebnis im Zusammenspiel der Video- und Lichtkomponenten gewährleisten.“

Laut Sock bestand das Bühnenbild zum wesentlichen Teil aus zwei Zugwaggons, die in der Längsachse mittig geteilt waren und durch szenische Verwandlungen in unterschiedlichen Konstellationen bespielt wurden. Um in dieser Kulisse die Illusion erzeugen zu können, dass sich der Zug in Bewegung befindet, wurden verschiedene Licht- und Video-Effekte genutzt, beispielsweise mehrere MAC Viper, welche für den Zuschauer unsichtbar hinter dem Zug positioniert waren. Durch die Zugfenster wurden dann damit Lichtreflexionen wie in einem fahrenden Zug simuliert. Auf den Dimmer der Spots wurde ein Bitmap-Effekt gelegt, der aus vorproduzierten Videos generiert wurde – die dadurch erreichten Effekte erzeugten tolle Dynamiken und Richtungseffekte. Die Blinder-Matrix wurde zur Unterstützung der musikalischen Einlagen ebenfalls mit Bitmap-Effekten bespielt.

Sock resümierte das Projekt:
„Die Zusammenarbeit mit Martin Rupprecht und Adrian Gross vereinte auf sehr starke Weise Erfahrungen aus unterschiedlichen Bereichen der Veranstaltungsbranche und ermöglichte dadurch neue und für Theaterproduktionen untypische Arbeitsweisen. So kamen Erfahrungen aus dem Theater-, Show- und Broadcast-Bereich zu einem gemeinsamen Gesamtkonzept zusammen, das dieses Projekt auf eine überaus positive Art bereicherte.“

Adrian Gross programmierte das Licht und Frank Wagner war für die Videosignaltechnik zuständig. PRG lieferte das Licht-Equipment.


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