Kultur im Scheunenviertel – Die Kalkscheune Berlin

Unmittelbar neben dem Friedrichstadtpalast befindet sich die Kalkscheune. Heute ein beliebter Ort für Events und Tagungen, hat die ehemalige Fabrikhalle an der Johannisstraße eine bewegte Geschichte hinter sich.

Dort waren die erste Berliner Maschinenfabrik sowie die preußische Fahrradmanufaktur untergebracht, Feuerlöscher wurden dort zusammen geschraubt. In modernen Zeiten gab es dort die legendären „Fisch sucht Fahrrad“-Singleparties. Heute wird dort an den Wochenenden immer noch getanzt, im MaBaker Club oder bei der Schönen Party vergnügt sich junges Publikum auf den Dancefloors, während ansonsten der Alltag ernsteren Dingen gewidmet ist. Dann finden dort unter der Woche Konferenzen und Kongresse, Workshops und Tagungen, beispielsweise von Bundesministerien, Firmen oder Verbänden statt. So lockte etwa der Neujahrsempfang des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft über 250 Gäste in die Kalkscheune, neben Sigmar Gabriel und 14 Botschaftern war weitere Prominenz aus Wirtschaft, Politik und Medien geladen.

In der Kalkscheune, die sonntags auch als „Kirche“ für die Saddleback Church dient, werden mitunter auch Konzerte gegeben. Amy Winehouse nahm dort fünf Soundtracks für ihr Album „Back to Black“ auf. Später ließ Mia Mietze „die Moleküle tanzen“, während Ursula von der Leyen über „Sexuelle Orientierung und Identität in der Bundeswehr“ referierte.
„Unser Programm ist bunt gemischt“, erklärt Frank Schepers, im Haus als technischer Leiter für den reibungslosen Ablauf der verschiedenen Events verantwortlich, beim Rundgang durch das historische Gebäude.
Den Veranstaltern bietet die Kalkscheune, die einzig noch vorhandene zusammenhängende Bebauung des ehemaligen Scheunenviertels, auf einer Fläche von insgesamt 1.500 Quadratmetern flexible Möglichkeiten. Neun Räume lassen sich nutzen, der beliebte grüne Innenhof wird gerne für Bankette und Barbecues, Empfänge wie Parties genutzt: Die Gäste sind gleichzeitig inmitten der Metropole und dennoch in einer ruhigen, etwas abgelegenen Oase unter sich. Der Berliner Hauptbahnhof liegt nur eineinhalb Kilometer entfernt, den Bahnhof Friedrichstraße erreichen Besucher und Tagungsteilnehmer in wenigen Minuten zu Fuß.

„Es gibt Tage, da finden bei uns schon mal fünf Veranstaltungen am Tag statt“, beschreibt der technische Leiter die besondere Herausforderung für sein Team. In der Regel seien es etwa zehn Events pro Woche, die in der Kalkscheune abgehalten werden. Um die Veranstaltungstechnik kümmert sich eine Mannschaft aus vier festen Kräften, die nach Bedarf aus einem Pool von Freelancern verstärkt werden kann.
Die Berliner Digitalkonferenz „re: publica“, sozusagen das „Klassentreffen“ der Computernerds, hatte einst ihre Geburtsstunde in der Kalkscheune, Kathrin Passig, Nicole Ebber, Tim Pritlove, Thomas Knüwer, Andreas Gebhardt und ihre Mitstreiter blieben dort rund ein Jahrzehnt, bis die Kalkscheune wegen stetig wachsender Teilnehmerzahlen aus allen Nähten platzte und schlicht zu klein wurde. Noch heute erzählen sich eingefleischte re:publica Besucher etwa von Gunter Duecks Vortrag über das „Internet als Gesellschaftsbetriebssystem“. Er fragte in der Kalkscheune: „Haben wir eine Chance auf eine psychologisch schönere Welt?“ Die Organisatoren und Teilnehmer sind offenbar überzeugt davon, inzwischen sind sie in eine größere Location am Gleisdreieck umgezogen, um dort weiter für die Gesellschaft wichtige Impulse zu geben.

Überhaupt prägen Blogger und „Nerds“ die Kalkscheune bis heute – finden doch noch immer viele IT-Konferenzen wie etwa das Symposium „Digitale Zukunft konkret“ dort statt. Die re: publica hat in all den Jahren unter den Bloggern Freundschaften gestiftet, die bis heute halten. Inzwischen hat auch die Virtual-Reality-Gemeinde eine Heimstatt gefunden, dort trifft sich regelmäßig der Berliner VR Business Club. „Events, bei denen die Gäste die Headsets ausprobieren und in virtuelle Welten eintauchen konnten, hatten wir zudem auch vereinzelt im Haus, etwa ein Media Markt Event zur Funkausstellung“, erinnert sich Frank Schepers.
Im 300 Quadratmeter großen Saal der Kalkscheune – der ehemaligen Fertigungshalle – finden bei Tagungen bis zu 250 Personen, bei Parties bis zu 500 Gäste Platz. Er ist mit professioneller Licht-, Ton- und Konferenztechnik ausgestattet , die Bühne lässt sich nach Bedarf gestalten.

Raum für bis zu 400 Gäste bietet die Galerie im ersten Stock. In elegantem Ambiente können dort feierliche Galas, Modenschauen, Vernissagen wie Kongresse abgehalten werden. Der Raum lässt sich mit Trennwänden verkleinern, ist mit Beamern, Leinwänden, Telefonanschlüssen und drahtlosem Internet ausgestattet. Die professionelle Licht- und Tontechnik lässt sich flexibel und anlassgerecht einsetzen. Das 300 Quadratmeter große Loft direkt unter dem Dach lässt viel Tageslicht herein und bietet nach Wunsch abdunkelbare Fenster. Es verfügt über zwei separate Räume. Dort befinden sich auch das 80 Quadratmeter große Atelier, die Kajüte für mindestens 20 Gäste bietet Wohnzimmer-Atmosphäre.

Für Meetings, Pressekonferenzen, Seminare, Workshops oder als VIP-Bereich stehen den Veranstaltern in der Kalkscheune weiter fünf zwischen 44 und 1000 Quadratmeter große Seminarräume zur Verfügung. Der größte Seminarraum mit seinen historischen Rundbögen bietet Sitzplätze für bis zu 60 Personen, die drei kleineren für 20 bis 30 Personen.
Die 54 Quadratmeter große Lounge eignet sich für kleinere Events oder als Ergänzung, im Basement lassen sich an der Rundum-Bar Businessgespräche führen, entsprechende neue Kontakte knüpfen oder bereits vorhandene vertiefen.
Einzelne Räume lassen sich via CAT 7 Netzwerk miteinander vernetzen. Access Points für das kabellose Internet gibt es überall im Gebäude. Für Tagungen mit internationaler Beteiligung steht entsprechende Konferenz- bzw. Übersetzungstechnik zur Verfügung.
Das Interieur können die Veranstalter ganz nach Anlass oder Geschmack auswählen: so gibt es für Empfänge oder Workshops elegante Stehtische, während hölzerne Tische für lockere Feierlichkeiten vorhanden sind. „Selbstverständlich besteht auch die Möglichkeit für den Veranstalter, ergänzend auch eigenes Mobiliar oder Dekoration mitzubringen“, betont Frank Schepers.

Zum Veranstaltungskonzept der Kalkscheune – sie hat ihren Namen übrigens von der Kalkscheunenstraße, im frühen 18. Jahrhundert Verbindungsgasse zwischen Johannisstraße und Ziegelstraße – gehören nicht zuletzt die Aspekte Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein: So ist die Kalkscheune Mitglied bei Berlin Green Meetings, bezieht Ökostrom, nutzt klimafreundlichen Versand oder arbeitet mit Caterern zusammen, die saisonale regionale Biolebensmittel und Getränke verwenden.

Was begeistert Veranstalter an der Location? „Wir werden gewählt natürlich wegen der zentralen Lage inmitten Berlins, besonders aber auch wegen des historischen Ambientes, der industrielle Charme, der eigene Charakter der Location, das überzeugt Veranstalter, die ihren Teilnehmern und Gästen etwas Besonderes bieten wollen“, erklärt Schepers. Genauso wertgeschätzt würden aber auch das Engagement des kleinen Teams („Jeder macht fast alles“), von Veranstaltung zu Veranstaltung stets bemüht, die besonderen Wünsche der Kunden zu erfüllen. „Wir legen Wert auf Persönlichkeit“, bringt er das „Erfolgsgeheimnis“ der Kalkscheune auf den Punkt.

www.kalkscheune.de


Diesen Beitrag können Sie übrigens auch in der Ausgabe 4/18 nachlesen!