In unserem Special: Wie mische ich Lichtshows richtig?

“Mehr Licht!“ – das sollen die letzten Worte von Goethe gewesen sein. Allerdings sind sie mittlerweile auch das Zukunftsprojekt mancher Produktion. Aber wie wertet man die Lichtanlage eigentlich auf? Worin investiert man, wie bedient man ein Lichtpult und wie wird es ideal eingesetzt? Wir haben im folgenden Beitrag die passenden Antworten auf diese Fragen.

Licht kann verschiedene Aufgaben erfüllen – zum Beispiel, dass man auf der Bühne gesehen wird, um Stimmungen zu erzeugen oder für Dynamiken. Bevor man sich Lichttechnik anschafft oder bucht, sollte man sich jedoch erst einmal Gedanken darüber machen, welche Aufgaben das Licht genau erfüllen kann. Die zwei wichtigsten Punkte des Lichts beim Konzert liegen darin, die Musiker sichtbar zu machen und für Stimmungen zu sorgen.

Jetzt könnte man natürlich versuchen, beides unter einen Hut zu bekommen – mit möglichst wenigen Scheinwerfern die Musiker beleuchten und für Stimmungen sorgen. Allerdings gibt es hier ein Problem: Buntes Licht ist zwar ideal für Stimmungen, bunt beleuchtete Gesichter von Musikern sehen in den meisten Farben dann doch eher ungesund aus. Das Spiel der Mimik ist viel schwieriger für das Publikum erkennbar, als in simplem, weißem Licht.
Schaut man sich professionelle Produktionen an, merkt man schnell, dass die Akteure in erster Linie weiß beleuchtet werden – bunt werden sie nur dann beleuchtet, wenn ein spezieller optischer Eindruck erzeugt werden soll. Legt man als Musiker also Wert auf eine gewisse Bühnenpräsenz, sollte dafür gesorgt werden, dass ordentlich mit weißem Licht beleuchtet wird.

Wie sollte dieses Licht aber beschaffen sein? Früher waren die klassischen Weißlicht-Scheinwerfer für Bands mit Halogenlampen bestückt. Das von diesen Scheinwerfern erzeugte Licht ist Warmweiß, also eher rötlich. Dieses Licht wird durch die Farbtemperatur ausgedrückt und warmweißes Licht liegt normalerweise bei etwa 3.000 – 3.200 Kelvin. Mit der LED kann man jetzt sowohl warmweißes als auch kaltweißes Licht erzeugen. Dennoch sollten die meisten Bands zu warmweißen Licht greifen – es wirkt angenehmer und gemütlicher. Nur wenn man als Band eine sehr harte, kalte optische Aussage treffen will, empfiehlt es sich, auf kaltweißes Licht zu setzen.

Personen und LED

Beleuchtet man mit LED-Scheinwerfer Personen, sollte nicht nur die Farbtemperatur beachtet werden: die Qualität des weißen Lichts ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. Man kennt es vielleicht, dass man im LED-Licht irgendwie ungesund grünlich oder gräulich wirkt. Das kommt daher, dass LED die Farben der Haut nicht gut darstellt – dies gilt allerdings nicht für jede LED, aber leider eben doch für viele. Ganz arg wird es, wenn man das weiße Licht der LED zusammenmischt – man kann mit RGB-Scheinwerfern zwar ein Licht mischen, das relativ gut weiß aussieht, dennoch stellt es die Farben der Haut nicht besonders gut dar. Und auch mit RGBW oder RGBA-Strahlern wird das nicht viel besser.

Ein gutes weißes Licht bekommt man nur, wenn man einen auf Weißlicht spezialisierten LED- Strahler nimmt und der einen hohen Farbwiedergabe-Index hat. Aber warum ist das so? Der Farbwiedergabe-Index ist ein spezieller Wert, der angibt wie gut das weiße Licht Farben wieder gibt. Also wie natürlich die Hautfarbe im weißen Licht wirkt. Dieser Wert wird als CRI angegeben und sollte bei mindestens 80, besser noch über 90 liegen. Der ideale Wert liegt bei 100. Wird also ein weißer LED-Scheinwerfer angeschafft, sollte man auf genau diesen Wert besonders achten. Wird er nicht angegeben, muss man als Käufer davon ausgehen, dass der Scheinwerfer einen weniger hohen Wert hat. Wie sollte dieses Licht aber aufgebaut werden? Das Publikum soll ja das Gesicht der Musiker gut sehen können, daher empfiehlt es sich, dass das weiße Licht von vorne kommt. Muss man nur mit einfachen Stativen statt mit einem Traversensystem arbeiten, wird man damit seine Probleme haben.

Denn Stative kann man ja nicht mitten in das Publikum stellen. Das Licht muss also zur Seite ausweichen, Stative können also beispielsweise dort hingestellt werden, wo meistens auch die PA positioniert ist. Dort können die Stative auch so aufgestellt werden, dass keine Gefahr für das Publikum von ihnen ausgeht.

Everything under Control...

Erwartet man vom Licht, dass es sinnvoll und passend zur Show agiert, muss man dies dem Licht auch „sagen“ – dafür benötigt man eine Lichtsteuerung. Das kann je nachdem ein großes Lichtpult mit ganz vielen Möglichkeiten sein, aber auch eine kleine Lichtsteuerung kann beim Festlegen der Farben ausreichen. Hier ist die Auswahl riesig. Wie findet man nun heraus, was die richtige Lichtsteuerung ist? Die Antwort ist hierzu gar nicht so einfach, mit ein paar Fragen kann man die Auswahl dennoch einschränken.

Was will ich steuern? Dies ist die zentrale Frage, die ihr euch stellen solltet. Eine Lichtsteuerung, die allgemein und einfach alles steuern kann gibt es nicht. Entweder die Steuerung ist auf etwas spezialisiert oder sie kann wirklich alles, aber ist sehr kompliziert und meist auch teuer. Daher solltet ihr euch im Klaren darüber sein, was ihr alles damit steuern wollt.

Ganz wichtig ist die Frage nach der Anzahl der Kanäle. Jeder Bühnenscheinwerfer benötigt ja eine bestimmte Anzahl an DMX-Kanälen. Und diese gesamte Anzahl an Kanälen solltet ihr wissen. Diese Zahl erfahrt ihr aus der jeweiligen Bedienungsanleitung des Scheinwerfers. Viele Scheinwerfer haben sogar verschiedene DMX-Modi mit unterschiedlicher Kanalanzahl. Dies bedeutet dann, dass ihr mehr oder weniger Funktionen über eure DMX-Steuerung abrufen könnt. Plant bei der Kanalanzahl auch eventuelle Erweiterungen ein, damit eure Lichtanlage dem Controller nicht zu schnell wieder entwachsen sein wird.

Aber nicht nur die Gesamtanzahl der DMX-Kanäle kann eine wichtige Rolle spielen. Auch wie viele einzelne Geräte angeschlossen werden sollen. Viele Controller haben eine Struktur, die schon in Fixtures, also Geräten aufgeteilt ist. Daher steht oft dabei, dass der Controller zum Beispiel für 12 Geräte mit jeweils bis zu 16 Kanälen gedacht ist. Auch dies sollte man unbedingt mit bedenken, um die vorgegebene Struktur auch sinnvoll nützen zu können.

Effekte

Die Effektgeneratoren spielen auch eine ganz wichtige Rolle. Damit sind spezielle Funktionen einer Lichtsteuerung gemeint, wie zum Beispiel Bewegungsmuster oder vorgegebene Farbeffekte. Was erst einmal kompliziert klingt, vereinfacht oft die Programmierung immens und macht viele Effekte überhaupt erst möglich. Wenn ein Pult mit solchen Effekten ausgestattet wird, ist aber noch nicht geklärt wie gut oder sinnvoll diese Effekte sind.

Ebenso sollte hinterfragt werden, wie das Pult an sich programmiert wird, welche Funktionen es bietet und wie viele Speicherplätze zur Verfügung stehen. Und auch das Abrufen der Programme sollte nachher sinnvoll organisiert sein. Gerade wenn man als Musiker das Licht nebenher gesteuert werden soll, so sollte dies einfach und übersichtlich zu bewerkstelligen sein. Zudem gibt es Funktionen, die einen das Leben erleichtern können, die aber nicht jedes einfache Pult bietet. Ein Beispiel ist das gleichzeitige Abrufen mehrerer Programme. Ist das möglich, so kann man zum Beispiel das Frontlicht, die Nebelmaschine, das Stimmungslicht und was sonst noch so zusammenkommt getrennt steuern, was sehr sinnvoll sein kann.

Clever sein - vorher checken

Über all diese Möglichkeiten und Funktionen den Überblick zu behalten ist nicht sehr einfach. Gerade bei der Lichtsteuerung sollte man sich im Voraus gut informieren und es nach Möglichkeit auch schon ausprobieren. Viele Händler bieten hierfür eine gute Beratung und auch die Möglichkeit ein Pult mal für ein bis zwei Wochen auszuleihen, um es zu testen. Zumindest im Laden selbst kann man unter Anleitung auch experimentieren.

Diese Option sollte wahrgenommen werden, denn das richtige Lichtpult finden ist vergleichbar wie das passende Paar Schuhe – man weiß erst, ob es passt, wenn man die ersten Schritte damit gemacht hat.


Diesen Beitrag gibt es übrigens auch in der pma-Ausgabe 8/18 nachzulesen!