Green - Eine Notwendigkeit in der heutigen Zeit

Vergangenheit. Gegenwart. Zukunft. Diese drei Zeitschienen über die Nachhaltigkeit im Allgemeinen und in der Veranstaltungswirtschaft im Besonderen wollen wir beleuchten. Als pma-Special "Green" haben wir einen dreiteiligen Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit in der Veranstaltungsbranche vorbereitet - in der pma-Ausgabe 4/2020 befassen wir uns mit der Gegenwart.

In der heutigen Zeit mit der Krise durch Corona scheint Nachhaltigkeit bei vielen Unternehmen nicht mehr im Fokus zu stehen, da es momentan um rein ökonomische Herausforderungen geht. Aber genau jetzt ist ein nachhaltiges Agieren und Wirtschaften wichtig, wie uns Martin Erhardt erläutert.

Er ist Projektleiter für Sustainable Event Management am Steinbeis Transferzentrum Angewandtes Management und erforscht ge- meinsam mit Prof. Dr. Ulrich Holzbaur von der Hochschule Aalen die wissenschaftlichen Grundlagen für die Nachhaltigkeit, aber auch die Möglichkeiten und Maßnahmen für die Implementie- rung dieser Aufgabe bei Firmen in der Eventbranche. Seine These lautet: „Ein Unternehmen, das sich nicht maximal nachhaltig positioniert, wird bereits mittelfristig keinen Erfolg mehr haben“.

In unserer pma-Ausgabe 3/2020 hatten wir uns ausführlich mit Martin Erhardt über die Entstehung und die Entwicklung der Nachhaltigkeit in der Vergangenheit ausgetauscht. Diesmal geht es darum, den aktuellen Stand in der Veranstaltungswirtschaft zu begutachten.

Hierfür haben wir einen kleinen Auszug aus dem Gespräch mit Martin Erhardt in diesem Online-Beitrag aufbereitet.

pma: Bisher haben wir uns intensiv über die Ursprünge und die Basis der Nachhaltigkeit unterhalten. Wie sieht der aktuelle Stand in der Branche aus?

Martin Erhardt:
Bei dem aktuellen Stand oder eher Standard sehe ich eine große Lücke. Wir differenzieren im Sustainable Event Management zwischen drei unterschiedlichen Ebenen. Einerseits existieren Unternehmen, die sich bereits lange und intensiv mit dem Thema beschäftigen und durchaus beachtliche Erfolge vorweisen können. Andererseits gibt es Firmen, die zwar erkannt haben, dass Nachhaltigkeit irgendwie wichtig ist, aber überhaupt nicht wissen, wo und wie sie bei diesem komplexen Thema beginnen sollen. Beide Ebenen sind für unsere wissenschaftliche Arbeit interessant. Die dritte Gruppe, welche die Notwendigkeit der Nachhaltigkeit bis jetzt noch nicht erkannt hat, lassen wir aber bewusst außen vor. Am Steinbeis Transferzentrum Angewandtes Management können und wollen wir keine grundsätzliche Überzeugungsarbeit leisten.

pma: Das heißt, dass es immer noch Unternehmen in der Veranstaltungswirtschaft gibt, die sich der Nachhaltigkeit komplett verweigern? Was sind da die Gründe?

Martin Erhardt:
Ursächlich sehe ich hier die Problematik, dass diese Unternehmen nicht ganzheitlich und homogen agieren. Da wird ausschließlich auf sehr schnelle und kurzfristig angelegte Gewinnmaximierung geachtet. Also ein rein ökonomischer Fokus. Und folglich werden Überlegungen oder Anforderungen zur Nachhaltigkeit immer mit deutlich höheren Kosten für Material und Personal abgetan. Das ist aber faktisch falsch. Natürlich entsteht punktuell auch ein finanzieller Aufwand. Aber dem steht sehr oft ein deutlicher Mehrwert gegenüber. Zusätzlich kann in der heutigen Zeit ein hoher und teurer Imageschaden durch Versäumnisse entstehen. Und schließlich wird ein Unternehmen, welches ein nachhaltiges Handeln und Wirtschaften nicht intensiv integriert, langfristig oder eher mittelfristig nicht mehr wettbewerbsfähig sein. Nachhaltigkeit ist die neue Normalität.

pma: Dann gibt es aber Firmen, die sehr gerne das Thema implementieren würden, aber noch nicht wirklich damit begonnen haben. Wo liegen hier die Probleme?

Martin Erhardt:
Genau hier setzen wir an. Wir sehen uns aber nicht als Beratungsagentur. Vielmehr wollen wir Impulsgeber sein. Eine Art Katalysator. Dabei geht es erst einmal darum, die Zusammenhänge im Gesamten darzulegen. Also die erforderliche Verbindung zwischen den ökonomischen, ökologischen und sozialen Komponenten bei der Nachhaltigkeit zu vermitteln. Danach analysieren wir, welche Maßnahmen eventuell sogar schon implementiert sind. Interessant ist dabei, dass oft schon viele Punkte vorhanden sind, die jedoch nie unter Nachhaltigkeit definiert wurden. Also bekommt das Kind plötzlich einen Namen. Im nächsten Schritt werden diese Maßnahmen sortiert und kommuniziert. Daraus entsteht dann eine Dynamik und plötzlich werden aus den unendlichen Weiten des Weltalls der Nachhaltigkeit klare Strukturen. Im letzten Schritt werden dann mit einem klaren Zeitplan die weiteren Möglichkeiten definiert, welche auch finanziell und personell zu realisieren sind.

Das vollständige Interview sowie weitere Informationen über den Brundtland-Bericht finden Sie im "Green"-Beitrag der pma-Ausgabe 4/2020.


Text & Interview: Lisa Schaft
Fotos: ©UN / ©EU / ©STEINBEIS


Foto: UN / STEINBEIS / EU

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