Funkhaus Berlin: Exzellente Akustik am Spreeufer

Zu DDR-Zeiten arbeiteten bis zu 5.000 Menschen im Funkhaus Nalepastraße am Spreeufer im Osten Berlins. Zeitweise war das Areal ein Lost Place, doch seit 2015 ist der Dornröschenschlaf vorbei. In unserem Venue Guide stellen wir das Funkhaus Berlin vor.

Denn seit Investor Uwe Fabich – ihm gehören auch die Kreuzberger Erdmannhöfe, der Postbahnhof sowie der Wasserturm am Ostkreuz – den denkmalgeschützten, 135.000 Quadratmeter großen Gebäudekomplex für knapp zwölf Millionen Euro erworben hat, bewegt sich langsam wieder etwas.

Weil die Akustik dort noch heute als weltweit nahezu einmalig gilt, haben internationale Musiker, Orchester und Produzenten dort aufgenommen, Pop- und Klassikstars wie Sting, Daniel Barenboim, Cecilia Bartoli und vor wenigen Wochen erst Depeche Mode haben dort ihre Alben eingespielt beziehungsweise vor Publikum präsentiert. Auch Lang Lang, Mariah Carey, Alice Cooper, Max Herre und andere Stars waren bereits da, dem einmaligen Ambiente und der exzellenten Akustik wegen. Sogar Steven Spielberg hat hier gedreht und der Autohersteller Porsche präsentierte den neuen Panamera.

Das Michelberger Music Festival für Nachwuchsmusiker war ebenso ein erfolgreiches Event wie das Visual Arts Festival Mira im vergangenen Sommer mit internationalen Künstlern wie Carla Chan, Marija Bozinovska Jones und Lauren Moffat. Erst Anfang Mai fand im Funkhaus erstmals das Finale des »XJazz Festival« statt.

Und es geht weiter:
Fortan wird die frühere MTV-Legende Ray Cokes im Funkhaus einmal im Monat die 100-minütige „Ray Cokes Night“ moderieren. Zum Auftakt Ende April hatte er den dänisch-uruguayischen Wahlbriten Alex Vargas, die norwegische Sängerin Aurora, den schwedischen Sängern Albin Lee Meldau und Liam x aus Deutschland zu Gast. Anfang Juli kommen der Greenshowroom und die Ethical Fashion Show Berlin auf das Funkhaus-Gelände, internationale Top-Player des Eco-Fashion-Segments werden sich dort versammeln. Kurz zuvor, Mitte Juni, findet mit der „Mary Jane Berlin“ Deutschlands größte Hanfmesse mit mehr als 150 Ausstellern mit parallelem Festival, Live-Musik und Vorträgen an der Nalepastraße statt.

Der neue Hausherr hat ehrgeizige Pläne, er will im einstigen Zentrum des DDR-Rundfunks dem vom Architekten Franz Ehrlich geplanten Komplex neues Leben einhauchen. Nicht weniger als „eines der größten Musikzentren der Welt“ schwebt ihm vor. Schon jetzt ist das Funkhaus Berlin der weltweit größte zusammenhängende Studiokomplex. Bis heute überzeugen die Studiogebäude wegen der besonderen Klangqualität, der optimalen Nachhallzeit sowie der guten Studio-Ausstattung der Räume. Sie genügen höchsten Ansprüchen künstlerischer Musik- und Wortproduktionen. Die Sendestudios, bekannt für den legendären „Nalepa Sound“, gelten noch immer als „State of the Art“. Große Musiklabels wie BMG, EMI, Sony, Universal oder Teldec nutzen die Studios für Musikproduktionen aller Stilrichtungen.
Im Studio H2 etwa wird für die ARD-Hörfunkprogramme, für Deutschlandradio Kultur, den Deutschlandfunk Köln sowie für etliche Hörbuchverlage produziert. Darüber hinaus werden Schauspieler in Lehrgängen für die Arbeit am Mikrofon geschult.

Erst im letzten Jahr hat thomann Audio Professionell im zentralen Kontrollraum H1 eine Konsole von SSL (AWS 948) eingebaut und in das teilweise bereits bestehende Steckfeld integriert. Die Konsole verfügt über 24 Fader, stellt allerdings im Mixdown 48 Kanäle für die Summierung zur Verfügung, so dass ohne weiteres auch größere Produktionen über die SSL gemischt werden können.

Weitere Schritte in Richtung Zukunf hat Uwe Fabich bereits in Angriff genommen. Die knapp 4.000 Quadratmeter große Shedhalle, in der KfZ-Werkstätten untergebracht waren, ist derzeit eine Baustelle. Nach entsprechendem Umbau sollen künftig dort hippe Parties, Mega-Events großer Konzerne, aber auch Messen oder Konzerte stattfinden oder gegebenenfalls auch weitere Studios für Musiker eingerichtet werden.

„Für junge Kreative hat das östliche Spreeufer jede Menge Potential“, ist Fabich überzeugt. Deshalb schwebt ihm vor, einen Fähr-Shuttle aus der City zum Funkhaus einzurichten. Außerdem geplant sind die Einrichtung eines Co-Working Spaces und mehrere Restaurants.

Diesen Beitrag können Sie übrigens auch in unserer pma-Ausgabe 04/17 nachlesen.


www.funkhaus-berlin.net