Entertainment pur: Ina Müller in der Olympia-Halle München

Ina Müller moderiert seit 10 Jahren die Late-Night-Show „Inas Nacht“ in der ARD und ist erfolgreiche Sängerin, Kabarettistin und Autorin. Mit ihrem aktuellen Album „Ich bin die“ ist sie auf „Juhu“-Tour, wir haben uns die Show in der Münchner Olympia-Halle angesehen.

„Hallo Chris, kannst Du das Piano draußen bitte ein kleines bisschen leiser machen ...“ - Ina Müller steht beim Soundcheck auf der Bühne in der Olympia-Halle und weiß ganz genau, was sie will. Geboren als vierte von fünf Töchtern einer Bauersfamilie in Cuxhaven macht sie nach der Schule eine technische Ausbildung und arbeitet auf Sylt in einer Apotheke.

1994 gründet sie das Kabarett-Duo „Queen Bee“ und macht sich rasch einen Namen damit. Sie schreibt Texte im Dialekt ihrer Heimat und übernimmt als Moderatorin das alteingesessene Radio-Format "Hör mal'n beten to" im NDR. 2002 erscheint ihr erstes Taschenbuch "Platt is nich uncool" als Text-Sammlung zur Sendung, 2004 veröffentlicht sie als Solo-Sängerin ihr Debut-Album "Das Große Du".

Ina Müllers Bekannt- und Beliebtheitsgrad wächst stetig und so wechselt sie bald vom Radio- ins TV-Fach. Im NDR-Fernsehen moderiert sie zunächst die Sendung "Inas Norden" und seit mittlerweile zehn Jahren die Late Night Show "Inas Nacht". 2006 erscheint ihr mit einer goldenen Schallplatte ausgezeichnetes Album "Weiblich, Ledig, 40", 2008 folgt die erste Nominierung für den Medienpreis Echo in der Sparte "Künstlerin Rock/Pop national".

Auch in den Jahren danach erntet sie viele weitere Preise und Auszeichnungen: "48" erreicht wieder Gold-Status, "Das Wär Dein Lied Gewesen" beschert Ina Müller Platin. Um all ihre Fans auch in den Genuss ihrer Konzerte kommen zu lassen, tourt sie unablässig und hat mittlerweile auch zwei Live-CDs/DVDs veröffentlicht.

Ina Müllers Ton-Crew auf der aktuellen Tour besteht aus Christian Ulbrich am FoH sowie Jonin Fehlmann und Johannes „Schnippes“ Götten am Monitorplatz. Dominic Grimm betreut das System und wird dabei von Ben Czapla unterstützt. Das Licht fahren Tobias Reinartz und Eiko Lehmann, die Video-Regie hat Peter Hommen.

Die Beschallung

Die PA setzt sich komplett aus Lautsprechern von d&b zusammen: als Main-System kamen in der Olympia-Halle pro Seite 14 J-Lautsprecher zum Einsatz, als Outfills und Delay-Line dienten je zwölf d&b V und Y-Boxen. Acht weitere Y auf ebenso vielen J-Sub Doppel-Stacks versorgten das Nahfeld vor der Bühne.

Geliefert wird das komplette Ton-Equipment von der Firma Sound Linear aus Paderborn.
„Die acht Sub-Stacks fahre ich als Arc alle einzeln mit unterschiedlichen Delay-Zeiten an, um den Bass schön an die jeweilige Location anpassen zu können. Für die PA nutze ich grundsätzlich Array-Processing, das heißt jede einzelne Box bekommt ein einzelnes, speziell für sie berechnetes Signal, um Reflektionen zu vermeiden oder auf andere Eigenheiten einer Halle eingehen zu können,“ wie der erklärt Dominic Grimm.

„Früher hat man die komplette Banane ja nur mit einem Signal angefahren und konnte dann mehr oder weniger nur mit den Lautstärken der Lautsprecher spielen. Heute dagegen hat man dank Array-Processing ganz andere Möglichkeiten und bekommt so tonal eine sehr große Homogenität in der ganzen Halle hin, was natürlich gerade für die Sprachverständlichkeit, die hier im Vordergrund steht, sehr wichtig ist. Ungefähr zwei Drittel der Arbeit passieren im Vorfeld, der restliche Umfang ist von der Location abhängig und wie gut man die Halle gegebenenfalls schon kennt.“

Die FoH-Technik

Grimm bekommt aus Christian Ulbrichs Digico SD5 FoH-Pult ein Stereo- und ein zusätzliches Sub-Signal, das er dann über einen Dolby Lake-Prozessor bearbeitet und via Matrix auf die einzelnen Positionen verteilt. Der Signalfluss ist dabei von der Stagebox bis zu den Amps komplett digital: inputseitig zunächst über Optocore, ausgespielt wird mittels Dante-Netzwerk.

Zum Einmessen der PA nutzt Grimm ein Beyerdynamic MM1-Mikrofon, eine Sennheiser EW 300 G2 Funkstrecke und als Software Rational Acoustics Smaart. „Ich messe damit aber eigentlich nur die Laufzeiten, die akustische Feinabstimmung mache ich nach wie vor hauptsächlich mit dem Ohr“, so Grimm. Dazu nutzt er zunächst ein stilistisch der Show entsprechendes Musikstück bevor Ulbrich dann seinen virtuellen Soundcheck mit dem Multi-Track-Mitschnitt der letzten Show via MADI und ein RME Fireface UFX Audio-Interface macht.

„Die große Herausforderung bei Ina Müller ist es, dem Publikum entsprechend Ton zu machen – es darf nicht zu laut oder zu rockig sein und vor allem muss Inas Stimme natürlich immer oben drüber. Sprachverständlichkeit hat also sowohl in den gesprochen Passagen wie auch in den Songs absolute Priorität,“ beschreibt Christian Ulbrich seine Aufgabe als FoH-Techniker.

Ulbrich ist selbst Musiker und mischt neben Ina Müller vor allem internationale Jazz-Stars wie Eivind Aarset oder Dhafer Youssef. Zur Produktion kam er bereits 2011 über seine Tätigkeit als Mischer von Singer / Songwriter Johannes Oerding, der mit Ina Müller liiert ist. Von einem Digico SD-Rack auf der Bühne kommen auf der aktuellen Tour insgesamt 56 Inputs, die über einen redundanten Optocore-Ring verteilt und mit Gain-Tracking verwaltet werden.

Wichtig dabei ist laut Ulbrich, gewisse Routinen beim Einschalten der insgesamt drei Pulte im Verbund zu beachten. Ulbrich bearbeitet die Signale sowohl mit pultinternen Effekten wie auch über Waves-Plugins. Ina Müllers SM 58 wird mit einer ULXD-Funkstrecke von Shure übertragen und liegt am FoH-Pult auf 2 Kanälen auf: einer davon dient ausschließlich für Sprache, der andere für Gesang. „Inas Gesangssignal geht zunächst einmal in einen Avalon VT 737 XP Röhren-Preamp. Im Pult komprimiere ich beide Kanäle dann unterschiedlich mit je einem C6, damit die tiefen Mitten bei den gesprochenen Teilen nicht zu sehr die Halle anregen.

Das MaxxVolume Leveler Plugin verwende ich nur für die Sprache, ansonsten nutze ich einen DeEsser, einen H-EQ zur Anpassung der Stimme an die jeweilige Location und für Inas Ausflüge ins Publikum außerdem einen NS1, der die Raumanteile und somit die Feedback-Gefahr absenkt“, erklärt Ulbrich seine Vocal-Chain.

Auch die beiden Background-Sängerinnen und zwei weitere Musiker singen über drahtlose SM 58, ansonsten ist am Schlagzeug eine bunte Mischung aus Mikrofon-Klassikern wie Shure SM57 und Beta 52 an Snare und Kick sowie Beta 98 und Sennheiser 904 an Toms und Side-Snare zu sehen.

Nur ein Gitarren-Amp wird mikrofoniert abgenommen, alle weiteren Signale der beiden Gitarristen sowie der Bass, die Keyboards und eine digitaler weißer Flügel gehen direkt in die Stagebox. Weil zudem alle Akteure ausschließlich IEM-Systeme nutzen bleibt die Bühne insgesamt angenehm leise. Für das Monitoring zuständig sind Johannes „Schnippes“ Götten und Jonin Fehlmann, der die Produktion schon auf der letzten Tour betreut hat und sich diesmal ausschließlich um Ina Müllers Mix kümmert, während Schnippes für die Band zuständig ist.

Fehlmann ist A-Capella-Spezialist und kann unter anderem auf jahrelange Erfahrung mit Bands wie Manhattan Transfer zurückblicken. „Schnippes sollte sich ursprünglich eigentlich nur um die Bühne und das Frequenz-Management kümmern. Nachdem er aber ebenfalls ein sehr guter Monitor-Mann ist, haben wir einfach noch ein zweites Pult mitgenommen, so dass er sich um die Band kümmern und ich mich voll auf Ina konzentrieren kann“, wie Fehlmann berichtet. Dafür stand ein weiteres Digico SD5 für Ina Müller sowie ein SD10 für die Band zur Verfügung.

„Die Funktionalität der Pulte ist super und die Verbund-Möglichkeiten und Waves-Integration sehr komfortabel“, lobt Jonin Fehlmann. Wie Christian Ulbrich am FoH nutzt auch Fehlmann Waves H-Reverb für Ina Müllers Stimme, ihren Mix bekommt sie wie alle anderen Musiker über eine Shure PSM 1000-Funkstrecke.

Abgehört wird mit UE11-Hörern von Ultimate Ears (Ina Müller, Jonin Fehlmann) beziehungsweise VE5 von Vison Ears (Johannes Götten), die Musiker nutzen zum Teil auch nicht speziell angepasste Shure-Earphones. „Eigentlich arbeite ich hier eher wie ein FoH-Mann, nur dass ich den Mix exklusiv für eine Person mache. Die Kunst dabei ist es, den Mix auf Inas Gehör zu trimmen“, erklärt Fehlmann. „Obwohl wir die selben IEM-Systeme verwenden nehme ich den Mix natürlich anders wahr, weil sie sich selbst ja auch noch intern hört.“

Um Ina Müller mit einem stets perfekten Mix von der Bühne zu versorgen, muss Fehlmann jedes Stück mitfahren und ihr gerade in den Pausen zwischen den Songs und den ausgedehnten Moderations-Parts über insgesamt sechs Ambience-Mikros das Feedback des Publikums vermitteln und für sie ortbar machen.

Die Lichttechnik

Das komplette Material in den Bereichen Licht, Rigging und Kinetik wird von der Pool Group geliefert. Das Show-Konzept stammt von Manfred “Olli“ Olmas Firma mo2 design, als Licht- und Video-Operator fungierten Tobias Reinartz und Eiko Lehmann am FoH und Peter Hommen in der Video-Regie hinter der Bühne.

Tobi Reinartz ist bereits zum zweiten Mal mit Ina Müller auf Tour und weiß deshalb, worauf die Künstlerin Wert legt: „ Ina hat nicht nur an den Ton sehr hohe Ansprüche, sondern auch eine sehr genaue Vorstellung von der Optik ihrer Show, sie mag feminine und verspielte Farben und Bilder.“

Dazu stehen der Licht-Crew nicht weniger als 62 Clay Paky B-Eye LED-Moving Lights im Pixel-Mapper-Mode zur Verfügung, womit sich auch kreativer Content aus den beiden MA VPU-Medienservern auf die Lampen legen lässt. Als Spot- und Beam-Lights dienen Robe Pointe, die zusammen mit den B-Eyes nicht nur in den drei Trussen über sondern an senkrechten Stehern auch auf der Bühne montiert sind.

Außerdem kommen SGM P-5 LED-Washer als Stützlicht von unten sowie drei Verfolger zum Einsatz, weitere SGM SixPacks an der Front-Truss laufen ebenfalls im Pixel-Mapper-Mode. Zwei MDG Maschinen sorgen für bei Bedarf für ordentlich Nebel auf der Bühne. Übertragen werden die Daten für Licht und Video mittels einem redundanten Firefly-Netzwerk mit zwei Glasfaser-Leitungen à 16 Adern, wie Eiko Lehmann erklärt.

Die Ansteuerung erfolgt über eine grandMA2 full-size, die von Tobi Reinartz bedient wird, Eiko Lehmann fährt über eine grandMA2 light unter anderem das Publikumslicht und ist für die Steuerung der Verfolger, Kabuki und Kinetik verantwortlich. Für die Produktion wurden von der Firma Henn eigens sieben riesige Jalousien angefertigt, deren Steuerungssoftware von Lehmanns Pult am FoH aus angetriggert wird und die über vorprogrammierte Cues verfahren werden können.

Die Videotechnik

Der Video-Content aus den MA VPU Medienservern wird wie schon erwähnt von Tobi Reinartz grandMA aus gesteuert und mit zwei Tandem Christie Boxer 4K30 Beamern mit jeweils 30000 Lumen Output über dem FoH auf den Backdrop projiziert. Zwei Panasonic PT-DZ 13000 Lumen Projektoren bespielen die beiden Side-Screens links und rechts von der Bühne mit Live-Bildern aus zwei Sony-Kameras mit Canon-Objektiven sowie zwei Remote-Kameras von Panasonic.

Die komplette HD-Videoregie um die Panasonic AV-HS450 Mischkonsole stammt von der Firma epicto. Verantwortlich für die Live-Bilder ist in der Regie Peter Hommen, der Anfang der 1970er Jahre als Backliner bei der legendären Kraut-Rock-Band „Guru Guru“ anfing und seitdem in fast allen Gewerken im Geschäft ist: „Ich bin Dienstleister mit kreativem, künstlerischen Anspruch. Meinen Job sehe ich hauptsächlich als Special-Service für die Konzertbesucher weiter hinten - bei Open Air -Konzerten wie auch in Arenen.

Kurz gesagt, ich bin die „Lupe“ und transportiere die Solos, Mimik und Emotionen der Künstler bis in die letzte Reihe“, beschreibt Hommen seine Aufgabe. Unterstützt wird er dabei an den beiden FoH-Kameras von Close Up-Spezialist Hermann Junker und Marvin Hommen, dem der Routinier ebenfalls ein sehr musikalisches Auge bescheinigt.

Bei so viel geballter Kompetenz und Erfahrung in allen Bereichen überrascht es daher nicht, dass sich die Show technisch, musikalisch und inhaltlich auf allerhöchstem Niveau bewegt: Ina Müller präsentiert ein Programm aus wirklich lustiger Comedy und stilistisch vielfältiger und klug arrangierter Musik, die von ihrer Band hervorragend auf die Bühne gebracht wird.

Und dann sind da natürlich noch ihre beiden Top-Trümpfe – sie ist nicht nur eine fantastische Sängerin und Entertainerin, sondern geht darüber hinaus auch spontan und einfallsreich auf alle möglichen Eventualitäten ein, die gerade eben im Moment vor Ort passieren. Das macht ihr und dem Publikum großen Spaß und nach fast drei Stunden werden sie, ihre Band und ihre Crew dafür mit stehenden Ovationen gefeiert. Ina Müller ist eben eine Frau, die weiß was sie will - und wie sie es bekommt.

Bestes Beispiel dafür ist der Song „Immer mehr wie Du“, in dem sie ironisch Wehwehchen aller Art thematisiert und es so schafft, die ganze bestuhlte Halle zum Aufstehen zu bewegen – am Schluss sogar die notorischen Nichttänzer mit dem Satz „Alle Männer mit Potenzproblemen bleiben sitzen ...“


Fotos: Oliver Künzner


Diesen Beitrag kann man auch in unserer pma-Ausgabe 04/17 nachlesen!