Christie Projektoren zeigen Opernelemente in 3D

Ars Electronica Futurelab inszenieren Haydns „Il Mondo della Luna“ im Brucknerhaus Linz

Das Brucknerhaus in Linz feierte 2009 nicht nur das Brucknerjahr und die Tatsache, dass Linz europäische Kulturhauptstadt wurde, sondern mit Josephs Haydns Oper "Il Mondo della Luna" eine ganz besondere Aufführung. Pascal Maresch, der Director für Media Performance im Ars Electronica Futurelab, hatte alle Hände voll zu tun bei der Premiere, auf die er ein Jahr lang hingearbeitet hatte.

 

Dabei hat das Creativ Team des Ars Electronica Futurelab nicht musiziert oder gesungen, sondern war vielmehr Gestalter einer Medieninszenierung, bei der es die Aufgabe hatte, die Musik selbst zu visualisieren, eine Bilderwelt zu skizzieren, die die Künstler auf der Bühne während der Aufführung mit Leben füllten.

 

Sterne tanzten und Figuren hüpften über den Mond - wohlgemerkt in 3D und gesteuert von 24 Kanälen mit den Stimmen der Sängerinnen und Sänger, den Instrumenten des Orchesters, und dem Taktstock von Martin Sieghart, dem Dirigenten des Bruckner Orchesters. Seine Bewegungen wurden mit Hilfe eines Stereokamera-Sets aufgenommen.

 

Nun gab es in den letzten Jahren schon zwei Koproduktionen in 3D, "Rheingold" und "Sacre du Printemps", bei denen Ars Electronica und das Brucknerhaus zusammengearbeitet haben, doch der Taktstock selbst war dabei noch nicht visualisiert worden.

 

Umso anschaulicher, aber auch verwirrender, musikalischer, theatralischer geriet die neue Produktion der selten gespielten Haydn-Oper, die wie Produktionen des Ars Electronica Futurelab zuvor, auch noch in London, in Polen und Dänemark, aber womöglich auch noch in Taipeh und Schanghai zu sehen sein wird.

 

Sichtbar wurde das Ganze durch vier Christie Roadster HD18K Projektoren, die von den Projektionsspezialisten von Ton + Bild geliefert und installiert worden waren. Zwei der 3-Chip DLP Projektoren dienten auch als Sicherheits-Backup für alle Fälle, da es ja eine Live-Aufführung war, bei der alles klappen musste.

 

Die Projektoren standen auf dem Boden, hinten auf der Galerie, zwei übereinander, zwei nebeneinander und bespielten bei einem Projektionsabstand von etwa 30 Metern die komplette Wandfläche mit exakt 16 x 9 Metern hinter den Musikern. Insgesamt 1.420 Besucher passen in den Saal, doch auf der Galerie stand die aufwendige Technik, so dass einige Sitzplätze wegfielen. Tatsächlich wurden mehr als 1.000 Polarisations-Brillen an das begeisterte Publikum verteilt.

 

Für Maresch spielte bei der Auswahl der Projektoren vor allem die Zuverlässigkeit und Lichtstärke eine entscheidende Rolle: "Wir haben ja komplett in Stereo projiziert, das nimmt viel Licht. Zudem war die Projektionsfläche hinter dem Orchester, da konnte man ja nicht komplett abdunkeln, sonst hätten die Musiker nichts mehr gesehen." Robert Cicek von der Ton+Bild Medientechnik GmbH fügt hinzu: "Es wurde viel Wert auf eine optimale Bildqualität und -schärfe gelegt, weshalb wir die HD Projektoren mit 1,4 - 1,8: 1HD Objektiven verwendet haben. Außerdem musste die Signalverarbeitung zwischen Rechnern und Projektoren auf höchstem Niveau ablaufen. Damit wurde sichergestellt, dass es nur eine geringe Latenz gab. Gerade bei der Visualisierung des Taktstocks war dies von besonderer Bedeutung.“

 

Den 3-D-Effekt generierte man in Linz mittels Polfiltern und den dazu passenden Brillen für das Publikum. Dieses Passiv-Stereo-Verfahren war schon deswegen erste Wahl, weil das Publikum ja nicht nur den Projektionen zusehen wollte, sondern auch das Live-Geschehen auf der Bühne verfolgen sollte.

 

Ging es im ersten Akt noch mit Figuren in Form von Schattenspielen relativ realistisch zu - der Sternenhimmel im Garten des Ecclitico -, so spielte der zweite Akt in einer phantastischen Mondlandschaft, die nicht nur plastisch visualisiert wurde, die ganze Bildsprache wurde freier, auch abstrakter, Singstimmen wurden als sich bunt bewegende Blüten und Bänder sichtbar.

 

Angesteuert wurde die komplette Performance von acht High-End PCs, die Software ein Eigenbau von Ars Electronica Futurelab, direkt programmiert in C++. Aufwendig wurde die Produktion allerdings schon allein dadurch, dass zuvor eine komplette Aufführung mehrspurig aufgenommen und dann Stück für Stück analysiert wurde. Dann erst konnte das Team um Pascal Maresch mögliche Visualisierungen festlegen, passende Bilder schaffen und diese in Bewegungen verwandeln.

 

Das Ars Electronica Futurelab als Initiator und Performance-Firma des Ganzen ist ein Medienkunstlabor neuer Prägung, in dem sich künstlerische und technologische Innovation wechselseitig inspirieren. Das Team unter der Leitung von Horst Hörtner vereinigt unterschiedlichste Fachrichtungen und ist in seiner Arbeitsweise durch Transdisziplinarität und internationale Vernetzung geprägt. Konzeption und Realisierung von Ausstellungsprojekten, künstlerische Installationen sowie Kooperationen mit Universitäten und der Privatwirtschaft bilden das breite Spektrum der Aktivitäten. Alleine im Forschungs- und Entwicklungslabor arbeiten rund 40 Personen in einem 2009 eröffneten Kreativ-Tempel direkt an der Donau in Linz, die Stadt selbst ist Träger der seit 1979 bestehenden Ars Electronica, die sich immer wieder innovative Leute nach Linz holt. So wird man Kulturhauptstadt Europas.

 

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