Beschallung zwischen Airbus und Eurofighter

Die größte Veranstaltung zum Tag der Bundeswehr 2017 fand im Fliegerhorst Penzing statt. Für die Beschallungsspezialisten der Firma Soundline eine Herausforderung, denn es mussten nicht nur ca. 128.000 Quadratmeter Eventfläche und rund 250.000 Quadratmeter Evakuierungsfläche beschallt werden, auch die örtlichen Begebenheiten erhöhten den Schwierigkeitsgrad.

Seit 2015 öffnen jedes Jahr am „Tag der Bundeswehr“ mehrere Kasernen und Dienststellen der Streitkräfte ihre Tore für interessierte Besucher. Die größte Veranstaltung dieses „Tages der offenen Tür“ fand in diesem Jahr im Bayerischen Penzing statt.

Mit Flugvorführungen und der Möglichkeit Flugzeuge, Hubschrauber und sonstiges Gerät der Luftwaffe zu besichtigen, lockte Deutschlands südlichster Fliegerhorst über 51.000 Besucher auf sein Gelände, das zu einer riesigen Eventfläche wurde. Die Highlights waren unter anderem der Airbus A400M, ein knapp 80 Tonnen schweres und über 17 Meter langes Transportflugzeug und der Eurofighter, ein zweistrahliger Kampfjet.

Um das gewaltige Besucheraufkommen kontrolliert auf das Gelände zu bekommen, war der Fliegerhorst nicht direkt anfahrbar. Mit Shuttlebussen wurden die Gäste von Bahnhöfen und Parkplätzen zum Event und wieder zurück gebracht.

Für das Showprogramm, Ansagen und Videoübertragungen mussten insgesamt 128.000 Quadratmeter Fläche beschallt werden. Und das nicht nur mit Sprache, sondern auch mit Musikmaterial. Zusätzlich dazu galt es eine Fläche von rund 250.000 Quadratmetern für Durchsagen und einen möglichen Evakuierungsfall zu beschallen.

Das Beschallungs-Setup wurde von der Firma Soundline Ton+Lichttechnik aus Untermeitingen geliefert und betrieben. Der Inhaber und Geschäftsführer Robert Reichle erstellte das Konzept und leitete die Produktion. Dabei setzte er fast ausschließlich auf Lautsprecher und Line-Arrays von RCF.

Das Setup

Auf dem Vorfeld des Flugplatzes war eine Rundbogenbühne aufgebaut, auf der die Begrüßung des Kasernenkommandanten, Ansprachen und auch ein kurzer Gottesdienst mit Blaskapelle statt fanden.

Moderatoren vom Fürstenfeldbrucker Radiosender TopFM und des Bundeswehr-Senders Radio Andernach moderierten die Showeinlagen und erklärten live, was die Kameras einfingen, die auf dem gesamten Gelände unterwegs waren.

Die Kamerabilder waren auf einem großen LED-Screen an der Bühne zu sehen. Teile des Programms wurden von Radio Andernach zu Bundeswehr-Stützpunkten im Ausland übertragen.

Die Ansprache der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen wurde von einem der am Tag der Bundeswehr teilnehmenden Standorte per Satellit zu den anderen Übertragen. Bis kurz vorher stand nicht fest, an welchem Standort sie auftreten würde. Daher waren alle Veranstaltungsorte­ mit Übertragungstechnik in beide Richtungen ausgestattet. Die Rede wurde letztendlich aus Augustdorf übertragen.

Für die Programm-Beschallung waren sieben große Türme mit geflogenen Line-Array-Elementen – teilweise mit und ohne Bässen – auf dem Vorfeld verteilt. Die Durchsage- und Evakuierungs-Anlage bestand aus 16 Lautsprechertürmen mit Druckkammerlautsprechern.

Line-Arrays zur Programm-Beschallung

Auf der Bühne war eine kleine Frontbeschallung aus RCF TT2 und RCF TT22 installiert. Die ersten Array-Türme standen 12 bis 15 Meter rechts und links der Bühne.

Gegenüber der Bühne wurden die Flugzeuge ausgestellt. Dort fanden auch die Flugshows statt. „Uns war klar dass die Leute für die Show ans südliche Ende des Areals gehen. Damit wir die Leute nicht mit schierer Lautstärke Wegblasen mussten, haben wir im Süden noch zwei Tower aufgebaut um gleichmäßiger ­beschallen zu können“, erklärt Robert Reichle. „Außerdem wäre es schwierig gewesen mit der Musik und dem Programm zwischen die Flugzeuge zu kommen. Wenn so ein Airbus A400M im Weg steht kommt dahinter von der Bühnen-Beschallung recht wenig an. Da stehen mal schnell 80 Tonnen im Weg. Das hat mit den Towern aber sehr gut funktioniert. Es gab auch nur ganz wenige und sehr kleine Bereiche in denen man mal zwei Arrays gleichzeitig gehört hat.”

Zwischen den Flugzeugen waren keine Lautsprechertürme installiert. „Man wusste im Vorfeld nicht zu 100 Prozent wann die Flieger genau ankommen und ob nicht einer vielleicht um die Veranstaltung herum schnell weg muss. Wir haben uns bei den Türmen auf dem Vorfeld auch für Gabellifte entschieden. Hätte ein Start oder eine Landung stattfinden müssen, hätte man die Lifte einfach schnell herunterkurbeln können.“

Die Line-Arrays waren mit vollaktiven Elementen bestückt, insgesamt mit 24 RCF TTL33 MKII, 32 RCF TTL31 MKII, 8 RCF HDL20, 12 RCF TTS56A Subbass, vier RCF TTS-36A und vier RCF TTL6A Array-Elementen. „Wenn eine Endstufe ausgefallen wäre, dann hätte das nur einen Lautsprecher und nicht das ganze Array betroffen. Einhundert Prozent Ausfallsicherheit ist schwierig, da hätte man alles mindestens doppelt bauen müssen, aber so haben wir schon eine sehr hohe Sicherheit bieten können“, so Reichle.

In puncto Leistung und Abdeckung des zu beschallenden Bereichs ging die Beschallungs-Strategie voll und ganz auf, wie Reichle mit einer Anekdote bekräftigt: „Ein schönes Kompliment an die Leistung der Beschallung war die Beschwerde eines Gastes, dass er wegen der lauten Musik die Triebwerke der Eurofighter nicht mehr hören konnte. Die Lautstärke der Musik war allerdings von den Hauptleuten der Bundeswehr so angeordnet.“

Insgesamt wurde der gute Sound, sowie die mehr als ausreichende Schallenergie vom Publikum als äußerst positiv wahrgenommen. Lücken gab es dabei keine. „Das Vorfeld habe ich bei der Planung mit EASE Focus simuliert und konnte so die Pegelverteilung berechnen“, erklärt Reichle.

Die Array-Tower wurden über ein redundantes Dante-Netzwerk in Form eines über zwei Kilometer langen Ringes beschickt. Teilweise lagen bis zu 600 Meter zwischen zwei Türmen. Das Glasfasersystem und die Switches kamen von Riedel, was Reichle wie folgt begründet: „Riedel haben wir mit ins Boot geholt, weil wir wussten, dass es dann einfach funktioniert.“

Mit der Netzwerk-Lösung war es möglich, dass im Zuschauerbereich, auch zwischen den Fliegern, kein einziges Kabel verlegt werden musste. Die einzige Ausnahme war die Kabelbrücke von der Bühne zum FoH. Die Kabel waren außerhalb des Publikumbereichs und teilweise auch von den Hallendächern zu den Towern gelegt.

Evakuierungs-System mit Funk-Betrieb

Alle Evakuierungs-Türme waren auf verschiedenen Arten von Stageco-Schwerlaststativen montiert und mit je zwei bis acht RCF HD410T Druckkammer-Lautsprechern bestückt. Gespeist wurden die Lautsprecher durch RCF UP2321 100V Endstufen und einer Digitalfunk-Einheit. „Jeder der 16 Türme hatte einen eigenen Amp. So war das System sehr ausfallsicher. Außerdem hatten wir alles so dimensioniert, dass auch der Ausfall eines Turmes durch die anderen hätte kompensiert werden können. Jeder Tower war auch von der Stromversorgung her autark. Natürlich hatten wir noch zusätzliche Havarie-Systeme dabei.”, erläutert Robert Reichle.

Die komplette Durchsagebeschallung wurde per Digitalfunk betrieben, was auch den großen Abständen zwischen den Towern geschuldet war, wie Reichle erklärt: „Es wäre bei den Wegen und der Beschaffenheit der Flächen nicht machbar gewesen Kabel auf vernünftige Art und Weise zu verlegen. Wir haben uns daher von Kölnton Motorola-Digital-Funkgeräte organisiert. Kölnton hat die Funken vorher programmiert. Am Funkgerät war statt der Sprechmuschel ein Adapter auf XLR verbaut. Damit sind wir direkt auf die Amps gegangen. Diese Systeme werden auch auf den großen Festival-Campingplätzen verwendet.“

Die Durchsagestellen waren wie auch die Tischsprechstellen aufgebaut. Das Signal konnte nicht direkt an die Empfänger gefunkt werden, sondern wurde über eine Relay-Station, einen Repeater übertragen. Diese war durch eine USV gesichert, sodass der Funk auch ohne Stromversorgung funktioniert hätte. Auch die Empfangseinheiten waren Akku-gepuffert.

„Wir hatten Distanzen zwischen Repeater und Funkempfänger von bis über einen Kilometer“, ergänzt Reichle. „Das hat trotzdem super funktioniert. Die Repeater-Antennen haben wir in zwölf Metern Höhe installiert um sicher zu gehen, dass wir eine gute Verbindung haben. Die Empfangsantennen waren sogar im Case mit den Endstufen verbaut. Trotzdem hatten wir immer beste Verbindung. Der Kollege von Kölnton meinte, das wäre auch bei Abständen von drei bis vier Kilometern kein Problem.”

Die Beschallung war in verschiedene, einzeln ansprechbare Zonen aufgeteilt, die auch für Sammelrufe zusammenschaltbar waren. „Die Sammelruf-Funktion haben wir an diesem Tag auch einige Male genutzt, wenn z.B. im Kinderland ein Kind übrig geblieben ist und man die Eltern gesucht hat. Das hat sehr gut funktioniert“, erklärt Reichle mit einem Schmunzeln. „Es ist auch total faszinierend, wenn du hinten am Hangar etwa fünf Sekunden später noch ein Delay deiner eigenen Durchsage hörst.“

FoH und Signalverteilung

Am FoH waren eine Yamaha QL-1 und ein Yamaha TF-3 Konsole im Einsatz. Die Blaskapelle wurde über die TF-3 gemischt, alle anderen Signale liefen über das QL-1.

Reichle zeigt sich begeistert über diese Konfiguration: „Es gab für die Kapelle keinen Soundcheck und damit zwei Leute gleichzeitig arbeiten können, haben wir das mit zwei Pulten organisiert. Das TF-3 ist mit dem Multitouch auch super geeignet wenn es schnell gehen muss. Und die Preis-Leistung stimmt einfach.“

An jedem Switch war eine digitale Yamaha RIO oder TIO Stagebox angebunden, die entsprechend gepatcht wurde. Die beiden Yamaha Konsolen waren mit Dante-Karten ausgestattet und an den Glasfaser-Ring angeschlossen. So konnte jedes Pult auf jedes Signal zugreifen und entsprechend an jede Station schicken.

Auch bei der Signalverteilung sieht Reichle einen Vorteil bei den Yamaha-Konsolen: „Mit der TF kann man auch die RIO-Preamps steuern, genauso wie die QL auch mit den TIO Preamps zurecht kommt. So kann man sehr wirtschaftlich konfigurieren. Wenn man nur zwei Kanäle irgendwo hin schicken möchte, ohne Gain-Compression, braucht man nicht unbedingt eine 1608 RIO aufstellen. Da tut es auch eine TIO.“

Über die Pulte wurde auch das ein oder andere Delay für die Line-Array-Tower gesetzt, was laut Reichle nicht immer ganz einfach war: „Wir haben zwar die Delayzeiten berechnet, aber bei diesen Dimensionen sind wir mit dem Messen nicht ans Ziel, das musste viel nach Gehör passieren. Die eingestellten Delays waren durch die Bank kürzer als mathematisch berechnet.“

Ein voller Erfolg – durch langfristige Planung

Rundum war der Tag der Bundeswehr in Penzing eine sehr gelungene Veranstaltung ohne jegliche Ausfälle. Auch der Veranstalter, die Bundeswehr, war äußerst zufrieden mit der Beschallung. Laut Robert Reichle war die lange und ausführliche Planung im Vorfeld ein Garant für den Erfolg.

Bereits in der Ausschreibungsphase begann Reichle mit der genauen Planung des Setups. „Das eigentlich schwierige daran war die Infrastruktur. Wie verkabelt man das ganze, bei dieser Fläche. Das Material, die Lautsprecher selbst waren das kleinste Problem. Wir haben am Ende dann ein sehr sinnvolles und finanziell überschaubares Konzept geliefert.“

Am Tag vor der Veranstaltung sollte ein Probedurchlauf stattfinden, was bedeutete, dass bis dahin alles aufgebaut sein musste. So standen nur drei Tage für den Aufbau zur Verfügung. Während der Arbeiten fand noch reger Flugbetrieb statt. Die Maschinen, die ausgestellt wurden mussten ebenfalls noch eingeflogen werden. „Da gab es natürlich gewisse Vorschriften“, erklärt Reichle. „Da darf kein PA-Turm im Weg stehen, wenn so eine dicke Maschine runter kommt. Die letzte Verkabelung hat dann am Tag vor der Veranstaltung stattgefunden, als der letzte Flieger gelandet war.“

Der Tag der Bundeswehr verlief reibungslos ohne Aus- und Zwischenfälle. Die Evakuierungsanlage musste nicht für ihren eigentlichen Zweck verwendet werden und die Programm-Beschallung leistete vorbildliche Dienste. Für Robert Reichle, seine Firma Soundline, sowie den Veranstalter, war der Tag ein voller Erfolg. Und für die vielen Besucher ein unvergessliches Erlebnis, das in dieser Region wohl auch einzigartig bleiben wird, denn der Flugbetrieb am Fliegerhorst Penzing soll Ende 2017 eingestellt werden.



Bilderstrecke – Tag der Bundeswehr in Penzing



Fotos: Robert Reichle


Den Beitrag finden Sie auch in der pma Ausgabe 6/2017.