Backline Verleih: Vintage Drumsets, so cool wie alte Cadillacs

Gut erhaltene Vintage-Sets sind selten und leider ­häufig auch nicht ganz preiswert. Bei der Suche nach derlei Schätzchen helfen Spezialisten wie der Schlagzeug-­Verleih Berlin Vintage Drums. Gründer Emanuel Hauptmann hat uns ­erzählt, was für ihn den Reiz der in Würde gealterten Schlagzeuge ausmacht

pma: Emanuel, worin bestand deine Motivation, einen solch speziellen Schlagzeug-Verleih zu eröffnen?
Emanuel Hauptmann: Der offizielle Startschuss meiner Firma fiel Anfang 2016. Die Idee zum Vintage-Drum-Verleih gab’s allerdings schon seit 2013. Damals wurden diese Anfragen hauptsächlich über mein Tonstudio MPM an mich herangetragen. Aus eigener Erfahrung als Schlagzeuger, Bandleader, Komponist und Toningenieur weiß ich, wie wichtig es ist, ein gutes Drumset vor Ort, auf Tour, im Club oder im Studio vorzufinden. Nachdem ich mit einigen meiner Drum-Endorser gesprochen hatte, bekam ich positive Reaktionen auf den Vintage-Drum-Verleih, und das hat mich schließlich bestärkt, BVD-Rental konkreter werden zu lassen. Mittlerweile haben mir viele Hersteller, zum Beispiel Sonor, Ludwig, Sakae, Aquarian Drumheads, Zildijan, Yamaha und noch einige mehr ihren Support als Vintage-Drum-Backliner angeboten.

pma: Wer leiht sich bei dir Sets aus?
Emanuel Hauptmann: Das sind ganz unterschiedliche Kunden. Zum einen Schlagzeuger wie der US-Jazzdrummer Jeff Ballard vom Brad-Mehldau-Trio oder Erich Schäfer des Michael-Wollny-Trio, Felix Lehrmann, Reinhardt Winkler des Roland Neffe-Trios sowie Florian Arbenz des Schweizer Jazz-Trios „Vine”, aber auch Ensemble-Orchester der Neuen Musik wie das Ensemble Mosaik. Hinzu kommen Labels, Produzenten und Studios aller Art, Orchester, Clubs, Festivals, Film- und Fernsehproduktionen und natürlich auch andere Backline-Unternehmen. Vintage-Instrumente sind schon länger ein großes Thema für alle, die in der Musikindustrie arbeiten. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass die etablierten Hersteller auch im Drum-Bereich ihre Klassiker nachbauen und damit neu aufleben lassen.

pma: Wie kommt man an solche Sets?
Emanuel Hauptmann: Bisher ist es mir immer gelungen, Vintage-Sets in nahezu einwandfreiem Zustand zu ergattern, da man bei solchen Instrumenten leider nicht einfach zum Hörer greifen kann, um was nachzubestellen. Es ist auch immer Glückssache, was einem ins Haus kommt. So ein Set ist stets etwas Besonderes, sehr individuell im Sound und Look und hat dazu meist auch noch seine eigene Geschichte. Vor kurzem erst ist es mir gelungen, für ein Theaterprojekt eine alte 24’’ Bassdrum aus München aus den späten Vierzigern im Nachlass des Großvaters eines Polizeibeamten zu finden. Das Instrument fand sich auf seinem Dachboden und gehörte seinerzeit zu einer Band mit dem schmissigen Namen „Die Rattenfänger”. Abgesehen vom Klang und Aussehen des Instruments verbindet man halt damit immer eine Geschichte.

Beim Verleih eines 1965er Ludwig-Downbeat-Sets wurde ich von einem Produktionsteam darauf angesprochen, was das doch für ein Hammer-Set wäre, mit Wahnsinns- Sound und abgefahrenem Look. Es kommt halt immer darauf an, was man für die Musik und die Produktion so braucht und mit welchem Drumsound man drangehen will. Mir liegt viel daran, High-End-Vintage-Drums im Verleih zu haben, die gut klingen und spielbar sind. Es kommen auch Serien der Neo-Vintage-Auflagen in Betracht. Das einzige Set, das mit Vintage nicht viel zu tun hat, ist ein US-Gretsch-Custom-BeBob-Set, das allerdings großartig klingt. Ansonsten befinden sich in meinem Bestand Vintage-Sets wie ein Gretsch Round Badge von 1966, ein Pearl-Set von 1968, ein Slingerland von 1964, zwei Ludwig Downbeat von 1964 und 1965, ein 1968er Rodgers, ein 1977er Yamaha 7000, ein 1983er Gretsch Stop Sign und ein 1985er Sonor Lite.

pma: Was glauben sie, ist das Besondere an den Vintage-Sets im Vergleich zu fabrikneuen Schlagzeugen? Was macht deren Reiz aus?
Emanuel Hauptmann: Es ist zum einen der charakteristische Sound und der Look. Ein bisschen kann man es damit vergleichen, wenn man einen 1950er Cadillac oder einen 1960er Thunderbird fahren darf. Man verfällt diesem Sound sofort und verliebt sich in den warmen, druckvollen Klang und die Frequenzvielfalt eines solchen Instruments. Nicht umsonst haben diese Vintage-Sets über Generationen viele Aufnahmen der 40er, 50er, 60er und 70er bis heute so nachhaltig geprägt, dass sie aus modernen Musikproduktionen kaum noch wegzudenken sind. Und noch ein Vergleich mit einem Oldtimer – läuft erst einmal so ein Modell nicht mehr ab Werk vom Band, steigt nach ein paar Jahren automatisch die Nachfrage nach dem in die Jahre gekommen Oldtimer. Das ist, glaube ich, bei Drums nicht anders. 

pma: Wie viel müsste man für ein Vintage-Set in gutem Zustand hinblättern, wenn man es kaufen wollte?
Emanuel Hauptmann: Das ist sehr unterschiedlich und richtet sich meist nach Angebot und Nachfrage, Herkunftsland und Verkäufer. Natürlich kann man mal Glück haben und so ein Schlagzeug für 350 Euro auf dem Markt finden. Man muss allerdings meist noch einiges reinstecken, damit es am Schluss spielbereit vor einem steht. Da hilft natürlich ein Netzwerk von Kollegen, Herstellern, Restauratoren und Instrumentenbauern, mit denen man sich bei Gelegenheit auch mal austauschen kann.

pma: Wie läuft es ab, wenn sie alte Schlagzeuge erwerben? Wie viel Arbeit muss man noch investieren, damit man die alten Sets verleihen kann?
Emanuel Hauptmann: Bisher hatte ich immer Glück. Allerdings ist es immer spannend und der Ausgang eines Kaufs teilweise ungewiss, wie, wann und in welchem Zustand dich so ein Vintage-Set erreicht. Erst wenn du es aus dem Karton auspackst, weißt du, was du da überhaupt vor dir hast. Dann bestückt man es gegebenenfalls mit fehlenden Ersatzteilen, einem Satz neuer Felle und stimmt es durch. Wenn das Set dann auch noch gut klingt, freut man sich wie ein Schneekönig zu Weihnachten. Bei größeren Reparaturen muss ich es dann an meine Schlagzeugbauer und meinen Partner Pommerenke weitergeben, um es wieder in Schuss bringen zu lassen..

pma: Gibt es manchmal Probleme, die exakten Zubehörteile wie etwa originale Spannschrauben oder Spannreifen nachzukaufen?
Emanuel Hauptmann: Auch da ist es wie mit dem ganzen Set: Man braucht ein bisschen Glück und gute Kontakte. Aber es gibt auch Unternehmen wie sogenannte „Schraubenzentralen“, die alle möglichen Gewinde in verschieden Zollmaßen anbieten. 

pma: Machen sie bei Berlin Vintage Drums alles in Eigenregie, oder haben sie noch weitere Mitarbeiter?
Emanuel Hauptmann: Das kommt darauf an – wenn‘s eng wird, arbeite ich mit guten Kollegen oder Freunden zusammen.

pma: Wonach richtet sich der Preis für die Leihgabe eines Vintage-Sets? Je älter, desto teurer? Kann man auch einzelne Trommeln oder Becken ausleihen?
Emanuel Hauptmann: Natürlich unterscheidet sich das eine oder andere Set vom anderen im Preis, jedoch bleibt all das immer im Rahmen. Der Verleih läuft deutschlandweit und bietet unterschiedliche Sets aller Art, der sich immer nach Länge der Mietdauer, Hersteller-Modell und zusätzlicher erbrachter Serviceleistung richtet. Je nach Anfrage und Set fängt so ein Mietpreis bei einem Tagessatz bei rund 100 Euro für Selbstabholer bereits an. Dazu gibt es diverse Leistungspakete wie zum Beispiel für Selbstabholung, Versand, Transport, Backline-Service, Kaution, Versicherung oder andere Zusatzleistungen. Der Kunde schickt mir seine Anfrage per Mail oder ruft an. Er sagt mir dann welches Set oder welche Einzelteile er wann für seinen Gig oder den jeweiligen Anwendungsbereich braucht. Ein entsprechendes Angebot geht vorab raus. Wird man sich einig, wird ein ganz normaler Mietvertrag geschlossen.

pma: Sie arbeiten als Drummer, Tonmeister und Produzent. Inwiefern kommen ihnen die Erfahrung und die Kenntnisse aus dem Recording-Bereich beim Thema Vintage-Drums zugute?
Emanuel Hauptmann: Ich bin innerhalb meines Schaffensbereichs relativ breit aufgestellt, was mir natürlich bei der Beurteilung vom Sound der Drums zugute kommt. Es ist toll, diese Sets nicht nur live, sondern auch im Rahmen einer Aufnahmesituation erleben zu können. Erst dann zeigen sich die wahren Stärken dieser Sets, wie sie klingen und was damit alles so möglich ist. Es ist halt seit Generationen einfach der Sound, der niemals wirklich “überholt“ klingt.


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